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Bd. 4 (1876) Brasilienholz - Chopersk
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Chemischer Proceß.

zusammengesetzten Körper -I- 8) einen anderen( 0 ) bringt, der zu einem Bestandtheil des ersteren,etwa zu eine stärkere Verwandtschaft hat, als^ zu 8. Es vereinigt sich dann ^ mit 0 , u. 8wird abgeschieden oder frei. Da ^ hier zwischen8 u. 6 gleichsam wählt, so nannte man frühereine solche Zersetzung eine Zersetzung durch ein-fache Wahlverwandtschaft. Als Beispiel einer sol-chen Zersetzung durch einfache Substitution nennenwir die Zersetzung der Salzsäure oder Chlorwas-serstoffsäure durch Zink. Die Salzsäure bestehtaus Chlor ».Wasserstoff; das Zink hat zum Chloreine stärkere Verwandtschaft, als dieses zum Was-serstoffe ; es verbinden sich daher Zink u. Chlor zuZinkchlorid, u. der Wasserstoff wird abgeschieden:Salzsäure, d. i. Chlor -f- Wasserstoff

u._ Zink

geben: Ziukchlorid u. Wasserstoff,

ä) Die Zersetzung durch wechselseitige Sub-stitution, kürzer Wcchselzersetzung (früherZersetzung durch doppelte Wahlverwandtschaft ge-nannt), erfolgt, wenn zu einer Verbindung (L. -f- 8)eine andere (6 -I- O) Hinzuwitt u. das Vereinig-ungsbestrebeu zwischen ^ u. 0 größer ist, als daszwischen L. u. 8; es entstehen dann zwei neueVerbindungen, indem sich u. 6, aber auchgleichzeitig die hierdurch frei gewordenen Körper8 u. 8 mit einander vereinigen. Dahin gehörtz. B. die wechselseitige Zersetzung von Salzsäureu. Silbernitrat (salpeters. Silberoxyd), welche er-folgt, sobald (wässerige) Salzsäure u. eine Lösungdes Silbernitrats in Wasser vermischt werden.Das Silberuitrat ist eine Verbindung von Silbermit dem aus Stickstoff u. Sauerstoff bestehendenSalpetersäurereste (d. i. dem, was in der Salpeter-säure mit Wasserstoff verbunden ist); beim Zu-sammentreten dieser Verbindung mit Salzsäurevereinigt sich das Chlor derselben mit dem Sil-ber des Silbernitrats zu Silberchlorid (Chlor-silber), gleichzeitig vereinigt sich aber auch dervon der Salzsäure übriggebliebene Wasserstoffmit dem vom Silbernitrat übriggebliebenen Sal-pclersäurereste zu Salpetersäure:

Salzsäure, d. i. Chlor -i- Wasserstoffu. Silbernitrat, d. i. Silber -s- Salpetersäurerestgeben: Silberchlorid u. Salpetersäure.

Es scheint übrigens, als ob der Eintritt chemischerProcesse, namentlich der unter o u. ä genanntenZersetzungen, nicht allein durch die Verwandtschafts-Verhältnisse, sondern auch durch die verschiedeneLöslichkeit oder Flüchtigkeit der Körper bedingtwurde; dieselben finden nur dann vollständig statt,wenn dabei eine solche räumliche Trennung derin den Proceß eingehenden Substanzen u. derProducte desselben stattfindet, daß die ersteren fort-während auf einander einwirken können. So isteine wesentliche Bedingung dafür, daß Chlorwas-serstoffsäure von Zink vollständig zersetzt wird, die,daß die Chlorwasserstoffsäure in wässeriger Formangewandt wird, so daß das entstehende Zinkchlo»rid in dem Wasser sich löst; denn sonst würdeletzteres sofort einen Überzug über das Zink bil-den u. dadurch dieses der Einwirkung der Salz-säure entziehen. So ist ferner die Wechselzersetz-ung der wässerigen Lösungen von Salzsäure u.

Silbernitrat bedingt durch die Unlöslichkeit desentstehenden Silberchlorids, welches in dem Maße,als es sich bildet, als fester Mederschlag aus derLösung entfernt wird.

Die neuere Chemie, welche die Körper als ausMolecüleu u. diese wieder als aus Atomen, selbstdie Molecüle der meisten Elemente aus Msgleichartigen Atomen bestehend annimmt (s. Atome),erklärt dem entsprechend die chem. Processe ausBewegungen, Umlagerungen der Atome. Vondiesem Gesichtspunkte betrachtet, erscheinen nursehr wenige chem. Processe als directe Ver-einigung oder Addition der Molecüle, d. h.als unmittelbare Aneiuanderlagerung zweierchemischen Molecüle zu einem neuen chemischenMolecül. Dahin gehört z. B. die Vereinigungeines Mol. Salzsäure u. eines Mol. Amwoni«!zu einem Mol. Salmiak:

861 -i- 8,8 — 8 ^ 801 .

Bei den meisten sog. directen Vereinigungspro-ceffeu findet dann aber eine Umlagerung der Atomeder zusammentretenden Molecüle statt; so bei derVereinigung von 1 Mol. Wasser u. 1 Mol.Schwefelsäureanhydrid zu Schwefelsäure, was sehrgut durch die typische Schreibweise veranschaulichtwird:

Schweselsäureanhydrid 8O2 .0

u. Wasser ^0

8 V 0

geben Schwefelsäure: (8O2),

8 / 0

Eine ähnliche Umlagerung findet auch bei dmmeisten einfachen Zersetzungen statt. Dahin ge-hört z. B. die Zersetzung des gelöschten Kallesbeim Erhitzen:

Calciumhydroxyd(gelöschter Kalk)

810

Oas

8/0

oibt- Calciumoxyd9 " (gebrannten Kalk)

6a.0

u. Wasser ^ 0

Weit häufiger sind Wechselzersetzungen, welchedarin bestehen, daß ein Molecül einen Theil derin ihm enthaltenen Atome gegen einen gleichwer-thigen (äquivalenten) Theil der Atome eines an-deren Molecüls austauscht. Dahin gehört z. B. >die oben erwähnte Wechselzersetzung von Salzsäure ,u. Silbernitrat (die Symbole der gegen einander >ausgetauschten Atome oder Atomgruppen sindfett gedruckt):

018 -i- ^0-^0- 0I4x 4- 0

Salzsäure u. Silbernitrat geben Silberchlorid u. Salpetersäure.

Viele Processe, die einfache Vereinigungen oderZersetzungen zu sein scheinen, find ebenfalls nichtsAnderes, als solche Wechselzersetzungen; so die Ber-einigung von Chlor u. Wasserstoff im Sonnen-lichte zu Chlorwasserstofffäure:

0161 -i- 88 — 018 -i- 018

ein Mol. ein Mol. zwei Mol.

Chlor u. Wasserstoff Chlorwasserstoffs

oder die Zersetzung der Salzsäure durch den gal-vanischen Strom: