448 Cainiclkohle
Cannelkohle (Käunelkohle, Oanäls-Ooal), Va-rietät der Steinkohle, die für die beste gilt u.namentlich in England gefunden wird; sie besitzteinen flachmuscheligcn, matt schimmernde» Bruch,ist grau-schwarz, sammetschwarz bis pechschwarz,mild u. zähe, daher schwer zersprengbar, u. schmutztnicht; Härte 2,5; spec. Gew. 1,-. Trotz ihresBitnmenreichthnms hinterläßt sie nur wenig Aschen. brennt mit sehr starker Flamme. Lehmann.'
Caunelton, Stadt am Ohiostrom im CountyPerry des nordamerik. Unionsstaatcs Indiana;Baumwollenspinnerei von 800t) Spindeln; 3500Ew., zur Hälfte Deutsche; in der Nähe reicheSteinkohlenlager (seit 1836 von der -4msriouir6snrrs16ou1 Lompun^ ausgcbcutct) u. Sandstein.
Cannes, Stadt im Arr. Grosse des sranz.Dep. Seealpen, am Golfe Napoule des Mittel-meeres, Station der Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn,in herrlicher Lage; klimatischer Kurort, jährlich von2—3000 Fremden besucht; gut gebaut, hübscheVillen, Schloß; Hafen, aber seicht, weshalb größereSchiffe in einiger Entfernung ankern müssen;Handel mit Sardellen u. Anchovis (jährlich etwa2000 Ctr.), Öl u. Südfrüchten; 10,144 Ew. Inder Nähe die Bucht St. Jouan, LandungsplatzNapoleons bei seiner Rückkehr von Elba (1. März1815); gegenüber die Lerins-Jnseln Sie. Mar-gue-rite und St. Honorat, erstere der Gewahrsamdes Gefangenen mit der eisernen Maske u. desMarschalls Bazaine. Vgl. Th. v. Valcourt, C.u. sein Klima, Erlang. 1869.
Cannibälen (v. Fr.), 1) Bewohner der Ca-rarbischen Inseln, welche ihre gefangenen Feindezu verzehren pflegten; vgl. Anthropophagen. Hier-von figürlich: 2) Menscheusreffer, wilde, grau-same Menschen. Daher cannibalisch, unmensch-lich, abscheuerregend; Cannibalismus, Un-menschlichkeit.
Canning, 1) George, berühmter englischerStaatsmann u. Redner, geb. 11. April 1770 inLondon; studirte mit Unterstützung seiner Ver-wandten, da seine Mutter nach des Vaters Todeals Schauspielerin nur ein spärliches Einkommenhatte, in Eton u. Oxford u. dann in London dieRechte; war schon in seinem 24. Jahre Mitheraus-geber des Lliorveosw, gelangte 1793 für Newportin das Parlament u. zeichnete sich hier als Rednerans; besonders sprach er für die Abschaffung desSklavenhandels u. die Emancipation der Katho-liken. 1796 wurde er Unterstaatssecretär im Mi-nisterium des Auswärtigen u. hing als solcher ganzdem System Pitts an, mit dem er 1802 Las Mi-nisterium verließ, um beim nächsten Ministerwcchselwieder mit ihm in das Cabinet zu treten. 1806,nach Pitts Tode, wurde er an dessen Stelle Füh-rer seiner Partei u. 1807 Minister des Auswär-tigen im Toryministcrium Portland, in einer fürEngland, welchem nach dem Tilsiter Frieden vonFrankreich u. Rußland gemeinsamer Krieg drohte,sehr kritischen Zeit. 1808 bewirkte er durch dieWegführung der dänischen Flotte aus Kopenhagen,daß dieselbe nicht zur Verstärkung der Napoleo-nischen Macht gebraucht werden konnte; schloß14. Jan. 1809 einen Allianztractat mit der in-surrectionellen Junta in Spanien und setzte dieBerufung Wellingtons zum Oberbefehlshaber der
— Canning.
engl. Armee in Spanien durch. Beim Ausbruchedes Krieges zwischen Frankreich u. Österreich dranger auf eine kräftige Unterstützung des letzteren u.setzte die höchst unglücklich verlaufene Schelde-Expedition durch. Als er darauf die Ersetzung desdieses Unternehmen bekämpfenden Lord Castlereaghdurch einen fähigeren Staatsmann forderte, kames zu einem Conflict, welcher den Sturz desMinisteriums Portland zur Folge hatte. Vorhervon Castlereagh gefordert, wurde C. im Duellverwundet. Als der gesammt-europäische Kainpfgegen Napoleon begann, den C. mit aller Energieherbeizuführen getrachtet hatte, befand er sich alsmüßiger Zuschauer auf seinem Gesandtschaftspostenin Lissabon, während Lord Castlereagh die Früchteseiner Bemühungen erntete. Nach seiner Rückkehrnach England 1816 wurde er in Liverpool ins Par-lament gewählt; 1817 trat er aufs Neue ins Mi-nisterium u. wurde Präsident des Indischen Depar-tements. Unzufrieden mit den Maßregeln gegendie Königin Caroline, ging er nach dem Continentu. war eine Zeit lang Gesandter bei der schweizer.Eidgenossenschaft; 1820 kehrte er nach Englandzurück und wurde Sept. 1822 wieder Ministerdes Auswärtigen. Als solcher gab er der aus-wärtigen Politik Englands eine neue, mit seinervorigen vielfach im Widerstreite stehende liberaleRichtung, indem er auf dem Congrcß von Veronader Heiligen Allianz die Befugnisse absprach, indie innere politische Entwickelung der europäischenStaaten cinzugreifen; deshalb protestirte er gegendie Intervention Frankreichs in Spanien, erkannteMexico u. Columbia als selbständige Staaten anu. schloß mit denselben Handelsverträge, welchemVorgänge später die übrigen Großmächte folgten.Das von Spanien aus insurgirte Portugal wurdedurch seine Vermittelung beruhigt, indem seine^-Kriegsdrohung hiureichte, Spanien zum Einschrei-ten gegen die Insurgenten zu bewegen. Um Grie-chenland zu unterstützen, ging er 1826 einen Ver-trag mit Rußland ein, welchem auch Frankreichauf seinen Antrieb beitrat. In demselben Jahrebrachte er es dahin, daß die Emancipation derKatholiken im Unterhause durchging, ohne jedochdie Verwerfung der Emancipation im Oberhauseverhindern zu können. Im Febr. 1827 war ererster Minister u. bildete, da seine toryistischen Kol-legen ihre Demission gaben, aus gemäßigten Whigsein neues Ministerium, mußte aber seinen Antragauf Ermäßigung der Kornzölle Lurchsallen sehen.Er st. 8. August 1827 in Chiswick bei London u.wurde in der Westminsterabtei neben Pitt begraben.C. war ein großer Staatsmann, von gemäßigt frei-sinnigen u. edlen Gesinnungen, u. ein gewandter,scharfsinniger Parlamentsredner; einer allgemeinenParlamentsresorm war er entgegen. Seine Familieerhielt die Peerswürde, u. das Parlament verlieh1828 seiner Gemahlin eine Pension. C-s Lpseolwa(Reden) sind gesammelt, Lond. 1825; von Therry,ebd. 1828, 6 Bde. Vgl. Redes Llsmoira ok tüsliks ok 8. 6., ebd. 1822; Staplcton, 1'bs Poli-tical liks ok 6., ebd. 1831, 3 Bde., 2. A., 1832;Ders., 6. unä bis timss, ebd. 1859; Bell, I-iksok8. 6., ebd. 1846. 2) Charles John, Vis-count, Sohn des Vor., geb. 14. Decbr. 1812;gehörte rücksichtlich seiner politischen Stellung za