803
Bursa — Burschenschaft.
über Knochenhervorragungen hinweggehen. Sieentstehen auch accessorisch au verschiedenen Kör-perstellen durch Druck, sind überhaupt an vielenStellen des Körpers vorhanden, an denen sie oftnur pathologisch zum Vorschein kommen.
Bursa, Stadt, so v. w. Brnssa.
Bürsch (Bursche, Bürschgang), 1) das Erle-gen des Hochwildes mit gezogenem Feuergewehr;s. Burschen. 2) So v. w. Jagdgerechtigkeit; da-her die obere u. niedere B.; die freie B. ist dieallen Bewohnern einer gewissen Gegend (B-ge-noffen, B-verwandte) zukommende Jagdgerechtig-keit (B-gerechtigkeit). 3) (B-bezirk, B-district)Der Bezirk für sie, im Gegensätze der gehegtenForste. 4) Überhaupt Jagdrevier.
Bursche, 1) Einer, der an einer gemeinschaft-lichen Wohnung theilnimmt. 2) Ein Student,weil diese sonst zusammen in einem gemeinschaft-lichen Gebäude wohnten (s. Bursa 2). 3) Lehr-ling, s. Lehrbnrsche. 4) So v. w. junger Mensch.
Burscheid, Stadt im Kreise Solingen des preuß.Negbez. Düsseldorf, an der Wupper; Wollen- u.Baumwollenzeugfabr., Wollenspinnerei, Maschinen-fabr., Strumpfwirkerei, Färberei; 5708 Ew.
Burschen (Pürschen), das Erlegen des Hoch-wildes mit der Büchse, indem man sich an dessenStand heranschleicht. Der Bürschgang erfolgt ge-wöhnlich früh u. abends, wo das Hochwild ansjungen Schlägen, aus Waldwiesen u. -RändernNahrung sucht. Geschieht dies zu Anfang derBrunstzeit (Anfang Sept.) auf den BrunftpILtzen,wo die Hirsche mit einander zu kämpfen Pflegen,so heißt dies Brunstbürsche. Man knickt bei die-ser B. Zweige ab, um den Hirsch glauben zumachen, daß ein anderer Hirsch nahe. Der Jägersucht das Hochwild ans Plätzen auf, wo es ge-wöhnlich steht, u. schleicht, sobald er es erblickt,gegen den Wind, bis auf Schußweite (100—150Schritte) heran. Sobald er auf die gehörigeEntfernung genaht ist, schießt er das Wild aufdas Blatt. Rehböcke u. Damhirsche werden dasganze Jahr, Schmalthiere, Spießer u. Kälber vonPfingsten bis in den December, Hirsche vom Julibis Mitte Sept. u. alte Thiere von Mitte Au-gust bis in den December (Bürschzeit) geburscht.Zuweilen wendet man den Bürschwagen u. dasBürschpfcrd (s. Schießpferd), beide um den Jägerzu verdecken, bei dem B. an.
Burschenschaft, die deutsche, ist ein Kind derFreiheitskriege der Jahre 1813 bis 1815. Zuihrer Gründung wirkten zunächst die Männerniit, die im Sommer 1814 zahlreich nach denUniversitäten strömten, um ihre durch den Feld-zug unterbrochenen Studien wieder aufzuuehmen,u. die ernsten Erfahrungen, die sie unter denWaffen gemacht hatten, mitbrachten. Außerdemhatten die Freiheitskriege der deutschen Jugenddie Begeisterung für deutsche Interessen eiugeflößt.Der Gedanke der deutschen Nationaleinheit hattedie Geister lebhaft ergriffen, u. die Jugend hieltsich vor Allem dazu berufen, für die Verjüngungder Nation von den Universitäten aus zu wirken.Die Reste der Rohheit im Trinken, Duellen rc.,welche das akademische Leben in Deutschland wäh-rend des 18. Jahrh. kennzeichneten, waren schonunter dem Drucke der Kriegszeit geschwächt wor-
den, u. die Jugend beschloß nun, die Moralitätan die Spitze ihrer Bundesgesetze zu stellen.Jena, welches seit dem Ausgange des 18. Jahrh.das Ziel aller strebenden Geister geworden war,wurde der Mittelpunkt der neuen Jugendbeweg-ung, die dortigen Lehrer waren derselben günstiggestimmt, u. von Berlin aus wirkte auf die Währ-ung der Geister der Jahnsche Kreis ein. Die Zu-stimmung von Seiten der Landsmannschaften deranderen Universitäten blieb nicht aus; die altenVereine lösten sich meist, n. an ihre Stelle wardie deutsche B. gestellt, welche Schwarz, Roth,Gold (s. d.) zu ihren Farben machte. Zurfeierlichen Verbrüderung der einzelnen Bünde be-stimmte man eine Zusammenkunft zum 18. Oct.1817, um zu gleicher Zeit das Säcularfest derReformation u. den Jahrestag der Schlacht vonLeipzig zu feiern. Die Wartburg ward als Sam-melplatz bestimmt; den Glanzpunkt des Festesbildete der Fackelzug vom 18. Oct., bei welcherGelegenheit aus einem Scheiterhaufen eine Reihevon angeblich undeutschen neueren Büchern ver-brannt wurde. Der Bund der Universitäten wurdebei dieser Gelegenheit unter dem Namen derAllgemeinen deutschen B. besiegelt. Berlin,Heidelberg u. Kiel traten zuerst, später Halle,Breslau, Gießen, Leipzig, Güttingen bei, standennun in innerer Verbindung mit einander u. hiel-ten jährliche, durch Ausschüsse beschickte Burscheu-tage. Viele Unzufriedene, die sich auf der Wart-burg, oder doch durch die dort bewirkte Verei-nigung gefunden und als gleichgesinnt erkannthatten, verbanden sich u. bildeten einen inneren,politische Revolutionen bezweckenden Ausschuß. Dageschah 1819 Kotzebues Ermordung durch ein Mit-glied der B., Karl Ludwig Sand, u. bewog dieRegierungen, die schon mit Mißtrauen betrachteteB. zu untersagen n. Untersuchungen über dema-gogische Umtriebe auzustellen. Während dieserSäuerte die B. im Geheimen fort u. erhielt nurnoch mehr eine demagogische Tendenz in demJüugliugsbnude. Es fanden mehrere General-versammlungen in Halle, Dresden, im Oden-walds rc. statt. Schon 1822 wurden in denmeisten B-en 2 Richtungen bemerklich. Die Ar-minen bezweckten sittliche, wissenschaftliche u. volks-thümliche Ausbildung der Stndirendeu u. durchsie des Volkes, mit welchem sich ihre Anhängerans alle Weise in Verbindung zu setzen hatten,damit dasselbe für die versprochene Freiheit reifwerde u. den Fürsten keine Entschuldigung bliebe,die Errichtung konstitutioneller Institute aufzn-schieben. Die Germanen waren dagegen prak-tisch-politisch u. bestritten das monarchische Priu-cip, betrachteten das constitutionelle Wesen bloßals einen Übergang u. drangen auf republikanischeFormen, bes. für Deutschland. Der Streit beiderParteien bildete den Hauptgegeustand der Be-rathungen auf den Burscheutagen von 1827—31.Endlich trugen die Germanen über die Arminenden Sieg davon, u. ihre Tendenz, selbst mit An-wendung von Gewalt die Zwecke der Verbindungzu fördern, wurde als die allein richtige aner-kannt. Nun orgauisirten sich in Tübingen, Würz-burg, Heidelberg, München, Breslau, Marburg,Erlangen, Bonn, Kiel, Greifswald u. später in