13
Braunschweig (Geschichte).
Ausgaben auf dieselbe Höhe veranschlagt; dieSchulden betrugen am I.Jan. 1873 23,974,746Thlr., worunter 12,647,600 gewöhnliche Eisen-bahnschnld u. 10 Will. Prämienanleihe zu Eisen-bahnzwcckcn. Die Ausgabe für die Civilliste er-scheint nicht unmittelbar in der Staatsrechnung,da diese Civilliste mit großen Domänengütern do-tirt ist; nach Abzug der Verwaltungskosten sindpro 1873/75 2,187,498 N jährlich als Bezug desHoses etatirt. Militär: 1 Infanterie-Regiment,1 Husaren-Regimcnt, 1 Sechspfünder-Batterie zu4 Geschützen n. 2 Landwehr-Bataillone; es gehörtzum X. deutschen Armeccorps (die Infanterie istjedoch seit 1871 dem XV. Corps im Elsaß zuge-theilt); Uniform aller Waffengattungen ist nochder schwarze Polrock. Landesfarben u. Feld-zeichen: blau und gelb. Orden, Kreuze undMedaillen: s,) der Orden Heinrichs des Löwenin 4, u. das dabei gestiftete Verdienstkreuz in 2Klassen; s. Löwenorden 4). b) Dienstanszeich-nungskreuz für 25 Jahre Dienste für Offiziere,e) das Kreuz für den Feldzug 1809. ä) Medaillefür den Feldzug in Spanien, s) Medaille fürWaterloo, die drei letztgenannten nur noch vonsehr wenigen Inhabern getragen, I) Rettungs-medaille. Münzen, Maße n. Gewichte sinddie allgemeinen deutschen. B. hat einen Vertreterim Bnndcsrathe u. drei Abgeordnete im Reichs-tage des Deutschen Reiches. Außer dem Herzog-thum B. besitzt das Haus B. noch das Mediat-herzogthnm Öls in Schlesien, der Besitzer führtden Titel Herzog von B.-Öls; vgl. B.-Öls.
Geschichte. I. Von der ältesten Zeit biszur Theilung des Landes in das ältereLüneburgische n. Wolfenbüttelsche Haus,1267. Das Land, welches seit dem Ende des 12.Jahrh. B. heißt, hatten vormals sächsische Stämmeinne, u. die ältere Geschichte desselben fällt mitderjenigen von Sachsen (s. d.) zusammen. Einebesondere Stellung nahm B. erst ein, als derWelfe Heinrich der Löwe infolge seines Streitesmit Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Herzog-thum Sachsen verlor, aber im Frieden 1194 diebraunschweig. Erblande als Allod znrückerhielt.Er st. 1195 u. hinterließ 3 Söhne, Heinrich,Otto u. Wilhelm, welche gemeinschaftlich re-gierten bis 1203, wo sie ihr Erbe in Paderborntheilten. Heinrich erhielt Hannover mit demwestlichvonder Leinegelegenen Gebiete bis Göttingenhinauf, den westlichen Theil des Lüneburger Landesu. die nördlichen Gebiete mit Dithmarschen, Otto,1198 als Otto IV. deutscher König geworden,das eigentliche B. mit Umgegend bis zur Leineu. dem Unterharz, Wilhelm die östlich gelegenenLüneburgischen Lande mit der Stadt Lüneburg,dem Oberharz rc. Heinrich bekam noch durch Hei-rath die Pfalz u. führte nach seines Bruders Wil-helm Tode (1213—1221) die Regierung für desseneinzigen Sohn, Otto das Kind, welcher nachdem kinderlosen Ableben Ottos IV. (1215) undnach dem Tode Heinrichs, der nur 2 Töchterhinterlicß (1227), der einzige Erbe des welfischenHauses wurde. Ein Streit, der mit Kaiser Fried-rich II. dadurch entstand, daß die Töchter Hein-richs demselben ihre Erbansprüche verkauften unddieser die Stadt Braunschweig besetzte, wurde er-
ledigt, indem Otto dem Kaiser 1235 das SchloßLüneburg mit Herrschaft u. dieser dem Reiche zuEigen übertrug u. darauf der Kaiser ans B. mitGebiet u. aus der gesammten Herrschaft Lüneburgein Herzogthum errichtete, das er an den zumReichsfürsten erhobenen Otto zu Lehn gab, erb-lich für dessen Söhne u. Töchter. Olto regierteüber dieses Herzogthum B.-Lüneburg bis1252, wo ihm seine Söhne Alb recht ».Johannerst zu gemeinschaftlicher Regierung folgten; 1267theilten sie so, daß Johann das HerzogthumLüneburg u. die Stadt Hannover sammt einigenSchlössern erhielt, Albrecht aber das HerzogthumB., Kalenberg, Göttingen, den Weserdistrict undden Harz; die Stadt B. blieb Beiden gemein-schaftlich. Albrecht wurde damit Stifter der älte-ren B-ischen Linie, Johann der Stifter derälteren Lüneburger Linie, die 1369 erlosch.
II. Das ältere B-er u. ältere Lüne-burger Hans, seit 1267. Albrecht I. d. Gr.(IwnKns), der ältere Sohn Ottos, eine Haupt-stütze des Landfriedens in NWDentschland, hintcr-ließ, als er 1279 starb, 3 Sohne, Heinrich denWunderlichen, Albrecht den Fetten undWilhelm, welche anfangs gemeinschaftlich re-gierten, 1286 aber theilten. Heinrich bekam daserst vom Vater erworbene Grubcnhagen, AlbrechtGöttingen u. Wilhelm B. u. Wolfenbüttel. DieLinie B.-Grubenhagen (1286—1596) theiltesich wieder mehrere Male, bis Philipp I. ihreTheile wieder vereinigte (1526). Derselbe nahm1534 die Reformation an. Er st. „155l, u. ihmfolgte sein Sohn Ernst V., der Ältere, den erhatte in Wittenberg stndiren lassen n. der schonals Prinz in das Schmalkaldcner Bündniß trat
u. für den Kurfürsten von Sachsen den Mark-grafen Albrecht von Brandenbnrg-Kulmbach beiRochlitz aufhob. Er wurde bei Mühlberg 1547gefangen, bald darauf aber gegen Albrecht aus-gewechselt. Als Regent war er besonders bemüht,dem Bergbau aufzuhclfen, u. legte die Gruben zuKlausthal an. Er trat unter der Bedingung, nichtgegen die Protestanten fechten zu müssen, in spa-nische Dienste n. starb kinderlos 1567. Ihm folgteHerzog Wolsgang, sein Bruder, der 1594 eineKirchenordnung im Sinne der Reformation ein-führte, u. diesem sein 3. Bruder Philipp II.,der 1596 starb. Mit ihm erlosch die Grnben-hagensche Linie, u. das Land fiel an Herzog Hein-rich Julius von B.-Wolfenbüttel, mußte aber1616 reichsgerichtlichem Erkenntniß zufolge an dieLinie Celle abgetreten werden. Die von Al-brecht demFetten gestiftete LinieB. - Göttingenvereinigte schon 1292 mit dem Tode des Stiftersder Linie B.-Wolfenbüttel, Wilhelm, seinesBruders, Land u. Linie mit sich; doch dauerte dieVereinigung nur bis 1344, wo nach Otto desMilden Tode die beiden jüngeren Brüder, diebisher mit ihm gemeinschaftlich regiert, das Landtheilten, Ernst Göttingen u. Magnus B.-Wolfen-bllttel erhielt. Diese Linie erlosch schon mit TrustsEnkel, Otto dem Einäugigen (doelos), der,ein Schützer der Städte u. ihrer aufstrebendenMacht, wegen Kränklichkeit schon 1435 die Regier-ung des Landes an Wilhelm den Siegreichen
v. Kalenberg abtrat, für sich nur einige wenige