344 Der preußische Landtag 1868—70.
und weiter gar nichts thut, als daß er die Früchte ver-zehrt, die für ihn wachsen: ich sage es mit Stolz, derwürde bei vielen Müttern gewiß Schwierigkeiten habe»,die Tochter zur Frau zu bekommen (Große Heiterkeit);die vorsichtige Mutter würde sagen: der Mann ist sehr-reich, aber er ist ein Tagedieb. (Anhaltende Heiterkeit.)
Und dennoch diese Klasse reicher und unbeschäftigterLeuteist absolut unentbehrlich, wenn man das parlamentari-sche System dahin entwickelt, daß seine Geschäfte den Mann,der sich dazu hergibt, den größten Teil des Jahres hin-durch regelmäßig in Anspruch nehmen. Schon jetzt sinddie Fälle leider häufig, daß diejenigen Mitglieder, die-jenigen Vertreter in beiden Körperschaften, welche dasVertrauen der Wähler zu erwerben gewußt haben, esunmöglich finden, beiden Geschäften ihre Thätigkeit zuwidmen und deshalb auf das eine verzichten. Wie nundem abgeholfen werden soll — ja, meine Herren, darübermich in einer Weise auszusprechen die mich bei ihrerOeffentlichkeit als Bundeskanzler binden würde, das wollenSie mir erlassen. Ich glaube, daß es auf dem Wegeder Fortentwickelung des Bundes geschehen kann, undich glaube, daß es nicht sehr schwer sein wird, sobald wirzu dem idealen Zustande gelangt sind, den die Engländerlängst in der Praxis haben: daß die Budgetberatung nur48 Stunden dauert. (Heiterkeit, Lebhaftes Bravo!)