298 Weiterer Ausbau der Bundesinstitutionen 1868—69.
zeugt, die Herren würden an diesem Bau nicht so oftrütteln, wenn sie nicht ganz sicher wären, daß sie ihnnicht einrcißen. Unproduktiv in demselben Maße wie dieArmee sind etwa Dämme, die eine Niederung vor Ueber-schwemmung schützen. Die Kosten daran zn spare», kannsehr teuer werden. Die Kosten, die wir an der Armeesparen, indem wir etwa von einer 2^-jährigen Dienstzeitauf eine zweijährige zurückgehen — der Herr Vorrednerhat selbst zugegeben, es könnten dabei im Anfang Un-fälle Vorkommen — diese anfänglichen Unfälle könntenallein schon viel mehr kosten, als langjährige Ersparnisseeinbringen. Führten diese Unfälle aber gar zu der Er-hebung von Kriegskontributionen, meine Herren, diemöchten doch ganz anders ausfallen als dieser „uner-trägliche Steuerdruck", der jetzt auf dem Volke lastet.Deshalb meine ich, daß die Armee als etwas Unpro-duktives hier mit Unrecht betrachtet wird. Gerade wieein Dach vor dem Wetter schützt, ein Deich vor der Ueber-schwemmung, so schützt auch unsre Armee unsre Pro-duktivität in ihrem ganzen Umfang.
Da ich einmal das Wort habe, so erlaube ich mirauch noch eine persönliche Bemerkung hier vorweg zunehmen dadurch, daß ich mich verwahre gegen alle Soli-darität mit irgend einem Zeitungsartikel, selbst mit demStaatsanzeiger. Obschon ich für den letzteren die recht-liche Verantwortlichkeit nicht ablehnen kann, so lehne ichdoch die persönliche Verantwortlichkeit ab. Ich bin außerstände, irgend eine Zeitung selbst zu schreiben oder zuzensieren, ich bin selbst meist außer stände, überhaupteine Zeitung zu lesen, meine Mittel erlauben mir dasnicht (Heiterkeit); es ist aber eine Zumutung, die von voll-ständiger Unbekanntschaft mit den Verhältnissen zeugt.