Druckschrift 
1 (1819) In zwei Abtheilungen
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

der Periode gegeben, lvs sie in Pensilvanirn den neuen Gou-verneur Findley wählten, den die Opposition den Appcldodtynannte, und dem sic nachsagten, baß er als Schatzmeister, Wu<cher mit Staatsgcldern getrieben.

Auch sicht man endlich ein, daß das Lärmen in den Zeitun-gen lange so gefährlich nicht ist, als es anfangs geschienen. Daßdie große Menge Zeitungen daher rührt, daß viele Bürger esals eine ehrsame Brsdwinnung ansehen, eine Zeitung herauszu-geben, und Laß die Zcitungsschreiberei, bei dem jetzig«,Zustande der Gesellschaft, in die Reihe der bürgerlichen Gewerbegetreten. *) Auch daß von 50 Zeitungen kaum eine ist, die jen-seits dem Weichbilde der Stadt wo sie erscheint, gelesen wird,

") Daß sic dieses ist bat in folgendem seinen Grund. Bei dem ungewißnen raschen Getriebe der Gesellschaft findet ein äußerst schneller Aus-tausch in ibr statt, und die Zeitungen dienen eben diesem Austausch«,Der eine hat eine altcPrcßc zu verkaufen, der andere sucht eine» Be-dienten der dritte einen Gesellschafter auf gemeinschaftliche Kolb««ach Leipzig, alle diese tauschen ihre Anfragen und Anzeigen in de«Zeitungen gegeneinander aus, und es ist daher sehr bequem fürs Pu-blikum daß diese jeden Tag erscheinen, damit dieser Austausch möglich»schnell von statten gehe, besonders wenn man Gegenstände tausche«will, die dem Verderben unterworfen, wie frische Auster» und Schell-fische. I» kleinen Städten find dieser Anzeigen aber nicht so viel,daß mit ihnen täglich ein halber Bogen zu füllen scy. Ein Bürgerder sich -um 400 Rthlr. eine Druckerei angelegt, legt noch einige Al-ler weiter an und hält sich noch die Frankfurter und Berliner Zeituugaus der er einige politische Artikel nimmt, die er in seine Zeitung ab-drucken läßt, und da er nun alles selber besorgt, und gar ge-ringe Kosten hat. so ist er mit einem Absatz von zoo Errmplarc scheuvöllig zufrieden. Die Einrückungsgcbührcn bezahlen die Druckkost!»,und die Abonnenten das Papier, wobei noch so viel übrig bleibt, daßer sich mit seiner Familie ernähren kann. Entspinnt sich nun ei»Streit in seiner Zeitung z. B. über irgend eine Wahl, so ist ihm die-ses sehr erwünscht, da er hiedurch seinen Absatz und seine Brodwin-uung vermehrt. Auch gewinnt das Publikum dabcp, daß nun je-de» Abend doch eine frische Zeitung bei seinem Glase Bier bat, unddas nachdem es die bürgerlichen Anzeigen gelesen, nun zum politische» -Artikel schreitet, und sich an diesem in allerhand Reden ergötzt, dirvielleicht wenig bedeuten, die ihm aber Vergnügen machen, und dilNiemand Las Recht hat zu schmälern.