Von der Liebe.
221
gekostet, im mündlichen und im inner» Gebet,aber sie haben es verwahrloset, und murren gleichtwohl vielleicht innerlich über die Unbehaglichkeitihres.Zustandes, aus welchem ja doch, meinensie, die Gnade sie wohl hätte befreyen mögen.
Z. Solche träge, laue, undankbare Seelenmöchten wohl beherzigen, was Gott den Israe-liten zurufen ließ durch den Mund des Prophe-ten Osee:
„Was soll Ich dir thun, o Ephraim?
„Was soll Ich, o Juda, dir thun?
„Eure Frömmigkeit ist wie ein Morgengewölk,
„Wie früher, bald hinschwindender Lhau!"
6. Verwechslung der Mittel mit dem Zweckist ein gewöhnlicher und schädlicher Irrthum derMenschen in allen Dingen, vorzüglich im Geist-lichen. Wer das Mittel für den Zweck ansieht,wird es bald für unwirksam halten, weil er sichgetäuscht findet. Der Täuschung Grund liegtaber nicht im Mittel sondern in ihm selbst. DerZweck aller göttlichen Heilsanstalten für die Men-schen , ist deren Versöhnung mit Gott, derenVereinigung mit Gott. Diesen Zweck zu errei-chen müssen wir alle Mittel welche Er uns dar-reichet ergreifen. Umsonst würde beten, wer die