Nr. 263. 1527 Juli 7. 415
der notdurft nach wol gestellt seie. Und doch daneben gueterund getreuer mainung bedenk, das-bei vielen und gleichwol vonhöchsten stenden, auch sonderlich denjenigen, so die oberkaitentragen und verwalten, die mißgebreuche und aufrurisch sachenund getaten, darein der arm unverstendig pofel an vil ortenteutscher nation under dem schein des gotsworts und des heiligenevangelien kurz verrückter jar wider die oberkaiten zu streben,gewaltig naum zu ton, land und leut zu verwieschten, zu ver-derben und also dem gotswort und evangelien zugegen zu handieneingefuert, besuch verfuert worden ist, 1 zu herzen gefaßt, unddie dermaßen noch lange zeit in gedechtnus erhalten werden;auch die Ursachen und schulde solher zugestanden und begangenmißgebreuche und getaten allein auf die neuen leren (wie siees nennen) legen. Aus dem erfolgt auch, das etwan jetzo oderhinfuro die verhörer der spennigen sachen, desgleichen die ober-kaiten, so darüber zu richten haben, ab einfierung der leren (obdie gleichwol in der heiligen geschrift gegronnt sein *) entsezenund (wiewol es nit sein solt) ein verdries darab empfachen, auchvilleicht aus mentschlicher pledigkait gedenken mechten, so sichder gebrauch bisher gehalten, das das gotswort in kirchen undauf der canzel verkondt und nit vast noch vile zu gerichtlichenoder in ander weg zu furtrag der sachen vor den oberkaiten an-gezogen ist worden, und dan die gütlichen leren von ainer parteiwider ir widerpartei, die es nit allein, sonder auch ander vill mer(und die der sach auch verhörer sein oder darbei sitzen) beruren,so hart und scharpf angezogen, mecht derselben ainen parteizugelegt werden, die wolt sich selbs örterung und reformationin stenden der christenhait furzunemen und die ires gefallens zuerheben oder abzutreiben understeen, dardurch nit wenig Un-gunst, neid und haß erlangen. Und aber ain gunstigen verhörerund richter zu haben und zu machen nit allein natürlich, sonderauch die notdurft erfordert. Darzu aber nit alein dienstlich ist,wie derselb gunst gesuecht und gemacht, sunder auch, wie daswiderspil, das ist Ungunst, so daneben einreisen, verhüet unddannocht, was ferrer die götlich und billich notdurft eraischt, nitumbgangen werden möcht.
1 Gemeint ist der Bauernkrieg von 1525. ' Über die Tragweite
dieses Bekenntnisses Peutingers zur „neuen Lehre" vgl. König S. 99ff.