Nr. 223. 1522 Februar 17. __________________363
Predigerstelle des Augsburger Franziskanerklosters mit ThomasMurner für nidit wünschenswert; der Rat soll sich bemühen,einen andern Prediger zu bekommen und die sofortige Abreisedes jetzigen fordern.
Augsburg. StA: Literalien. Urscfir. — Adr.: Herren Georgen Vetter undherren Hieronymo Inihof, beden burgermeistern zu Augspurg, unseren liebenherren. — Spätere Aufschrift von Peutingers Hand: Ab dem pundstag vonUlm anno 22 auf 17. tag febr. Provinzial von Straspurg.
Gepietenden herren burgermeister, Paulin, pot, ist auf datumherkomenund hat mit im etlich brief, inainem papir eingeschlagen,[mit im] gebracht, mit dem anzaigen, ich soll die brieve besöhen.Auf das hab ich dieselben brieve, so mit ainem papir mit ainemschlechten faden umbunden gewesen sein, besichtiget, wie ir,mein herren, die hiebei finden, und dweil ich zum disch gefordert,die brieve auf meins herren hauptmans 1 disch neben anderemligen lassen. Haben sein hunde mir ain buch, sant Pauls epistel,am ort ernagen, der Pymell 2 und ir verwandten copien, so ichzu mein handen gebracht, erkist und des provincials • brieve zumteil auch beschediget. Die selben brieve vom provincial sambtdem papir, dorin gelegen, schick ich euch, mein herren, hiemitzu, furter wissen zu handeln, wie sich gepurt. Paulin, pot, sagtmir, der provinciall schick doctor Murner zu ainem prediger zuden parfuessern zu Augspurg. Sorg, wir sein fursöhen, wie vor. 4
1 Ulrich Arzt, Stadt. Hauptmann des Sdiwäb. Bundes.
2 Die Bimmel waren eine aus der Weberzunft hervorgegangene Augs-burger Kaufmannsfamilie; vgl. Strieder S. 146ff.
' Der Straßburger Franziskanerprovinzial Dr. Georg Hofmann: vgl.über ihn K Eubel. Gesell, d. oberdeutsdien (Straßburger) Minoritenprovinz(1886) S. 167.
* Lesemeister im Augsburger Franziskanerkloster war damals BlasiusKern, dessen Abberufung der Rat vom Provinzial verlangt hatte, weil seineallzu entsdüeden katholischen Predigten die Ruhe in der sdwn überwiegendneugläubigen Bevölkerung zu gefährden drohten. Wenn Peutinger in demtemperamentvollen Polemiker Murner keinen geeigneten Ersatz erblickte, sowar das immerhin audi sadüidi begründet: außerdem stand er aber zu ihmals dem Gegner seiner Freunde Wimpfeling und Zasius offenbar in keinemguten persönlidien Verhältnis (vgl. Th. v. Liebenau, Der Franziskaner Dr. ThomasMurner [1913] S.32 u. 123f.) und sdieint, als Murner Pfingsten 1522 dodidie Augsburger Stelle erhielt, seinen Einfluß dafür eingesetzt zu haben, daßjener die Stadt bald wieder verlassen mußte. Vgl. Roth 1 S. 156; v. LiebenauS. 185.