XXXVIII Einleitung.
Kaisers gelang, der Aufrührer Herr zu werden. Nun mischte sich Franzvon Sickingen in die Sache und griff Worms mit einem grossen Heere an;er wurde zurückgeschlagen, doch war der von ihm angestiftete Schadengrofs genug. Noltz erlebte den Abschlufs dieser Kampfe und den Frie-den nicht mehr, denn er starb im Jahre 1518, nachdem ihm sein Freund,der Stadtschreiber, schon im Frühjahr 1512 vorangegangen war i . Noltzwar verheiratet und hatte Kinder. Er erwähnt in seinen Briefen aufserdiesen einen Bruder. Seine Schwester Margarethe war mit dem Kats-herrn Philipp Kneipp in Worms verheiratet; sie starb am 29. Juli 1509.Eine andere Schwester hatte einen Kölner, Stertzgin in der Strafsburger-gassc, zum Mann 2 . Mit dem Maler Niclaus Nif ergalt war er eng be-freundet. Wie in politischer Beziehung, so vertrat er auch in geistigerdie neue Richtung. Er beweist dem Unterrichtswesen, das in Wormszu Ende des 15. Jahrhunderts in humanistischem Sinne eingerichtet war,ein tieferes Interesse und noch im höhern Alter besuchte er die Vor-lesungen des berühmten Humanisten und Juristen Petrus Ravennas.Eben wegen dieser humanistischen Richtung hätte man meinen sollen,er würde dem berühmten Gönner der Humanisten Bischof Johannes vonDalberg einiges Wohlwollen entgegengebracht haben. Allein er berührtin seinen Schreiben nie diesen Punkt, er ist erfüllt von Hafs gegendiesen Mann, der seine geliebte Vaterstadt unterdrücken wollte.
Als im Jahre 1487 der Streit mit dem Bischof von neuem losging,ergriff die Stadt sogleich die Initiative. 1483 war sie der Bundes-genossenschaft von Bischof und Pfalzgraf erlegen, jetzt warf man sichdem Kaiser in die rettenden Arme und dieser hob mit einem Federstrichalle Rechte des Bisehofs in der Stadt auf. Der Rat mufste sich aufeinen erbitterten Kampf gefafst machen, der dann in der That mit allenMitteln der damaligen Justiz und Diplomatie geführt wurde. Um überdie einzelnen Momente dieses Riesenprozesses genau unterrichtet zu sein,ordnete der Rat, ich vermute auf Antrag des R. Noltz, an, dafs derStadtschreiber eine offizielle Erzählung des Verlaufes niederschreibe. Dasist geschehen. Die Acta Wormatiensia sind ein Werk im grofsen Stil,prachtvoll geschrieben auf dem schönsten Papier. Von dem ersten Bandebesitzen wir noch die Konzepte, im pfälzischen Dialekt geschrieben,während die Reinschrift in der Kanzleisprache abgefafst ist (au und eianstatt des alamannischen fl und I). Auch nach dem Tode Adams vonSchweehcnheim sind die Acta fortgeführt worden. Erhalten sind uns
1 Am 31. Bez. 1512 bot der Bürgermeister Ludwig Heikel dem Joh. Glantz, Unter-stadtschreiber in Oppcnlieim, die Stadtsclvreiberstelle in Worms an. Allein in dennächsten Jahren wird Glantz in den Akten als Gerichtssdweiber angeführt, doch wirder fortwährend vom Hat in diplomatischen Geschäften verwandt; erst 1518 heifst erStadtschreiber, s. St.-A. W. Band nr. 1929. 2 St.-A. W. Band nr. 1929.