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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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in San Marco besuchten, er eilte dorthin, und aus der Glut desPlatzes in die goldene Dämmerung des Heiligtums eintretend,fand erdenEntbehrten, über einBetpultgebeugt,beim Gottes-dienst. Dann stand er im Hintergründe, auf zerklüftetem Mo-saikboden, inmitten knienden, murmelnden, kreuzschlagen-den V olkes, und die gedrungene Pracht des morgenländischenTempels lastete üppig auf seinen Sinnen. Vorn wandelte, han-tierte und sang der schwergeschmückte Priester, Weihrauchquoll auf, er umnebelte die kraftlosen Flämmchen der Altar-kerzen, und in den dumpf-süßen Opferduft schien sich leiseein anderer zu mischen: der Geruch der erkrankten Stadt.Aber durch Dunst und Gefunkel sah Aschenbach, wie derSchöne dort vorn den Kopf wandte, ihn suchte und ihn er-blickte.

Wenn dann die Menge durch die geöffneten Portale hin-ausströmte auf den leuchtenden, von Tauben wimmelndenPlatz, verbarg sich der Betörte in der Vorhalle, er verstecktesich, er legte sich auf die Lauer. Er sah die Polen die Kircheverlassen, sah, wie die Geschwister sich auf zeremoniöse Artvon der Mutter verabschiedeten und wie diese sich heim-kehrend zur Piazzetta wandte; er stellte fest, daß der Schöne,die klösterlichen Schwestern und die Gouvernante den Wegzur Rechten durch das Tor des Uhrturmes und in die Mer-ceria einschlugen, und nachdem er sie einigen Vorsprung hattegewinnen lassen, folgte er ihnen, folgte ihnen verstohlen aufihrem Spaziergang durch Venedig. Er mußte stehen bleiben,wenn sie sich verweilten, mußte in Garküchen und Höfe flüch-ten, um die Umkehrenden vorüber zu lassen; er verlor sie,suchte erhitzt und erschöpft nach ihnen über Brücken und