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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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Ins Hotel zurückgekehrt, begab er sich sogleich in dieHalle zum Zeitungstisch und hielt in den Blättern Umschau.Er fand in den fremdsprachigen nichts. Die heimatlichen ver-zeichneten Gerüchte, führten schwankende Ziffern an, gabenamtliche Ableugnungen wieder und bezweifelten deren W ahr-haftigkeit. So erklärte sich der Abzug des deutschen und öster-reichischen Elementes. Die Angehörigen der anderen Natio-nen wußten offenbar nichts, ahnten nichts, waren noch nichtbeunruhigt. „Man soll schweigen!“ dachte Aschenbach er-regt, indem er die Journale auf den Tisch zurückwarf. „Mansoll das verschweigen! “ Aber zugleich füllte sein Herz sich mitGenugtuung über das Abenteuer, in welches die Außenweltgeraten wollte. Denn der Leidenschaft ist, wie dem Ver-brechen, die gesicherte Ordnung und Wohlfahrt des Alltagsnicht gemäß, und jede Lockerung des bürgerlichen Gefüges,jede Verwirrung und Heimsuchung der Welt muß ihr will-kommen sein, weil sie ihren Vorteil dabei zu finden unbe-stimmt hoffen kann. So empfand Aschenbach eine dunkle Zu-friedenheit über die obrigkeitlich bemäntelten Vorgänge inden schmutzigen Gäßchen Venedigs, — dieses schlimme Ge-heimnis der Stadt, das mit seinem eigensten Geheimnis ver-schmolz, und an dessen Bewahrung auch ihm so sehr gelegenwar. Denn der Verliebte besorgte nichts, als daß Tadzio ab-reisen könnte, und erkannte nicht ohne Entsetzen, daß ernicht mehr zu leben wissen werde, wenn das geschähe.

Neuerdings begnügte er sich nicht, Nähe und Anblick desSchönen der Tagesregel und dem Glücke zu danken; er ver-folgte ihn, er stellte ihm nach. Sonntags zum Beispiel erschie-nen die Polen niemals am Strande; er erriet, daß sie die Messe