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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
74
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FÜNFTES KAPITEL

In der vierten Woche seines Aufenthalts auf dem Lidomachte Gustav von Aschenbach einige die Außenwelt be-treffende unheimliche Wahrnehmungen. Erstens schien esihm,als ob bei steigender Jahreszeit dieFrequenz seines Gast-hofes eher ab- als zu nähme, und insbesondere, als ob diedeutsche Sprache um ihn her versiege und verstumme, sodaß bei Tisch und am Strand endlich nur noch fremde Lautesein Ohr trafen. Eines Tages dann fing er beim Coiffeur, dener jetzt häufig besuchte, im Gespräche ein Wort auf, das ihnstutzig machte. Der Mann hatte einer deutschen Familie er-wähnt, die soeben nach kurzem Verweilen abgereist war, undsetzte plaudernd und schmeichelnd hinzu: „Sie bleiben, meinHerr; Sie haben keine Furcht vor dem Übel.“ Aschenbachsah ihn an. „Dem Übel?“ wiederholte er. Der Schwätzer ver-stummte, tat beschäftigt, überhörte die Frage. Und als siedringlicher gestellt ward, erklärte er, er wisse von nichts undsuchte mit verlegener Beredsamkeit abzulenken.

Das war um Mittag. Nachmittags fuhr Aschenbach beiWindstille und schwerem Sonnenbrand nach Venedig; dennihn trieb die Manie, den polnischen Geschwistern zu fol-gen, die er mit ihrer Begleiterin den Weg zur Dampfer-brücke hatte einschlagen sehen. Er fand den Abgott nichtbei San Marco. Aber beim Tee, an seinem eisernen Rund-tischchen auf der Schattenseite des Platzes sitzend, witterte