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er plötzlich in der Luft ein eigentümliches Arom, von demihm jetzt schien, als habe es schon seit Tagen, ohne ihmins Bewußtsein zu dringen, seinen Sinn berührt, — einensüßlich-offizinehen Geruch, der an Elend und Wundenund verdächtige Reinlichkeit erinnerte. Er prüfte und er-kannte ihn nachdenklich, beendete seinen Imbiß und'verließden Platz auf der dem Tempel gegenüberliegenden Seite.In der Enge verstärkte sich der Geruch. An den Straßen-ecken hafteten gedruckte Anschläge, durch welche die Be-völkerung wegen gewisser Erkrankungen des gastrischenSystems, die bei dieser Witterung an der Tagesordnungseien, vor dem Genüsse von Austern und Muscheln, auchvor dem Wasser der Kanäle stadtväterlich gewarnt wurde.Die beschönigende Natur des Erlasses war deutlich. Volks-gruppen standen schweigsam auf Brücken und Plätzen bei-sammen; und der Fremde stand spürend und grübelndunter ihnen.
Einen Ladeninhaber, der zwischen Korallenschnüren undfalschen Amethyst-Geschmeiden in der Tür seines Gewölbeslehnte, bat er um Auskunft über den fatalen Geruch. DerMann maß ihn mit schweren Augen und ermunterte sichhastig. „Eine vorbeugende Maßregel, mein Herr!“ antwor-tete er mit Gebärdenspiel. „Eine Verfügung der Polizei, dieman billigen muß. Diese Witterung drückt, der Scirocco istder Gesundheit nicht zuträglich. Kurz, Sie verstehen, — einevielleicht übertriebene Vorsicht...“ Aschenbach dankte ihmund ging weiter. Auch auf dem Dampfer, der ihn zum Lidozurücktrug, spürte er jetzt den Geruch des keimbekämpfen-den Mittels.