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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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traut, liebreizend und unverhohlen, mit Lippen, die sich imLächeln erst langsam öffneten. Es war das Lächeln des Narziß,der sich über das spiegelnde Wasser neigt, jenes tiefe, bezau-berte, hingezogene Lächeln, mit dem er nach dem Wider-scheine der eigenen Schönheit die Arme streckt, — ein ganzwenig verzerrtes Lächeln, verzerrt von der AussichtslosigkeitseinesTrachtens,dieholdenLippen seines Schattens zu küssen,kokett, neugierig und leise gequält, betört und betörend.

Der, welcher dies Lächeln empfangen, enteilte damit wiemit einem verhängnisvollen Geschenk. Er war so sehr er-schüttert, daß er das Licht der Terrasse, des Vorgartens zufliehen gezwungen war und mit hastigen Schritten das Dun-kel des rückwärtigen Parkes suchte. Sonderbar entrüstete undzärtliche Vermahnungen entrangen sich ihm: „Du darfst sonicht lächeln! Höre, man darf so niemandem lächeln!“ Erwarf sich auf eine Bank, er atmete außer sich den nächtlichenDuft der Pflanzen. Und zurückgelehnt, mit hängenden Armen,überwältigt und mehrfach von Schauern überlaufen, flüsterteer die stehende Formel der Sehnsucht, — unmöglich hier, ab-surd, verworfen, lächerlich und heilig doch, ehrwürdig auchhier noch: „Ich liebe dich!“