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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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Hütte aufwartete; er lief herbei, lief naß vielleicht aus derFlut, er warf die Locken, und indem er die Hand reichte, aufeinem Beine ruhend, den anderen Fuß auf die Zehenspitzengestellt, hatte er eine reizende Drehung und Wendung desKörpers, anmutig spannungsvoll, verschämt aus Liebenswür-digkeit, gefallsüchtig aus adeliger Pflicht. Er lag ausgestreckt,das Badetuch um die Brust geschlungen, den zart gemeißeltenArm in den Sand gestützt, das Kinn in der hohlen Hand; der,welcher „Jaschu“ gerufen wurde, saß kauernd bei ihm und tatihm schön, und nichts konnte bezaubernder sein, als das Lä-cheln der Augen und Lippen, mit dem der Ausgezeichnete zudem Geringeren, Dienenden aufblickte. Er stand am Randeder See, allein, abseits von den Seinen, ganz nahe bei Aschen-bach, — aufrecht, die Hände im Nacken verschlungen, lang-sam sich auf den Fußballen schaukelnd, und träumte ins Blaue,während kleine Wellen, die anliefen, seine Zehen badeten.Sein honigfarbenes Haar schmiegte sich in Ringeln an dieSchläfen und in den Nacken, die Sonne erleuchtete den Flaumdes oberen Rückgrats, die feine Zeichnung der Rippen, dasGleichmaß der Brust traten durch die knappe Umhüllung desRumpfes hervor, seine Achselhöhlen waren noch glatt wie beieiner Statue, seine Kniekehlen glänzten, und ihr bläulichesGeäder ließ seinen Körper wie aus klarerem Stoffe gebildeterscheinen. Welch eine Zucht, welche Präzision des Gedan-kens war ausgedrückt in diesem gestreckten und jugendlichvollkommenen Leibe! Der strenge und reine Wille jedoch,der, dunkel tätig, dies göttliche Bildwerk ans Licht zu treibenvermocht hatte, — war er nicht ihm, dem Künstler, bekanntund vertraut? Wirkte er nicht auch in ihm, wenn er, nüch-