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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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ist, wo nicht Schnee ist und Winter, noch Sturm und strömen-der Regen, sondern immer sanft kühlenden Anhauch Okea-nos aufsteigen läßt, und in seliger Muße die Tage verrinnen,mühelos, kampflos und ganz nur der Sonne und ihren Festengeweiht.

Viel, fast beständig sah Aschenbach den Knaben Tadzio;ein beschränkter Raum, eine j edem gegebene Lebensordnungbrachten es mit sich, daß der Schöne ihm tagüber mit kurzenUnterbrechungen nahe war. Er sah, er traf ihn überall: in denunteren Räumen des Hotels, auf den kühlenden Wasserfahr-ten zur Stadt und von dort zurück, im Gepränge des Platzesselbst und oft noch zwischenein auf Wegen und Stegen, wennder Zufall ein übriges tat. Hauptsächlich aber und mit derglücklichsten Regelmäßigkeit bot ihm der Vormittag amStrande ausgedehnte Gelegenheit, der holden ErscheinungAndacht und Studium zu widmen. Ja, diese Gebundenheit desGlückes, diese täglich gleichmäßig wieder anbrechende Gunstder Umstände war es so recht, was ihn mit Zufriedenheit undLebensfreude erfüllte, was ihm den Aufenthalt teuer machteund einen Sonnentag so gefällig hinhaltend sich an den an-deren reihen ließ.

Er war früh auf, wie sonst wohl bei pochendem Arbeits-drange, und vor den Meisten am Strand, wenn die Sonne nochmilde war und das Meer weiß blendend in Morgenträumenlag. Er grüßte menschenfreundlich den Wächter der Sperre,grüßte auch vertraulich den barfüßigen Weißbart, der ihmdie Stätte bereitet, das braune Schattentuch ausgespannt, dieMöbel der Hütte hinaus auf die Plattform gerückt hatte, undließ sich nieder. Drei Stunden oder vier waren dann sein, in