* 54
*
liehen und verbotenen Aufenthalt zu betrachten, dem er nichtgewachsen war und den wieder aufzusuchen sinnlos gewesenwäre. Ja, er empfand, daß, wenn er jetzt abreise, Scham undTrotz ihn hindern müßten, die geliebte Stadt j e wiederzusehen,vor der er zweimal körperlich versagt hatte; und dieser Streit-fall zwischen seelischer Neigung und körperlichem Vermögenschien dem Alternden auf einmal so schwer und wichtig, diephysische Niederlage so schmählich, so um jeden Preis hint-anzuhalten, daß er die leichtfertige Ergebung nicht begriff,mi t welcher er gestern, ohne ernstlichen Kampf, sie zu tragenund anzuerkennen beschlossen hatte.
Unterdessen nähert sich das Dampfboot dem Bahnhof, undSchmerz und Ratlosigkeit steigen bis zur Verwirrung. Die Ab-reise dünkt dem Gequälten unmöglich, die Umkehr nichtminder. So ganz zerrissen betritt er die Station. Es ist sehrspät, er hat keinen Augenblick zu verlieren, wenn er den Zugerreichen will. Er will es und will es nicht. Aber die Zeitdrängt, sie geißelt ihn vorwärts; er eilt, sich sein Billett zuverschaffen, und sieht sich im Tumult der Halle nach demhier stationierten Beamten der Hotelgesellschaft um. DerMensch zeigt sich und meldet, der große Koffer sei aufge-geben. Schon aufgegeben? Ja, bestens, — nach Como. NachComo? Und aus hastigem Hin und Her, aus zornigen Fragenund betretenen Antworten kommt zutage, daß der Koffer,schon im Gepäckbeförderungsamt des Hotels Excelsior, zu-sammen mit anderer, fremder Bagage, in völlig falsche Rich-tung geleitet wurde.
Aschenbach hatte Mühe, die Miene zu bewahren, die unterdiesen Umständen einzig begreiflich war. Eine abenteuerliche