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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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Auf stillem Platz, einer jener vergessen und verwunschen an-mutenden Örtlichkeiten, die sich im Innern Venedigs finden,am Rande eines Brunnens rastend, trocknete er die Stirn undsah ein, daß er reisen müsse.

Zum zweitenmal und nun endgültig war es erwiesen, daßdiese Stadt bei dieser Witterung ihm höchst schädlich war.Eigensinniges Ausharren erschien vernunftwidrig, die Aus-sicht auf ein Umschlagen des Windes ganz ungewiß. Es galtrasche Entscheidung. Schon j etzt nach Ha^ise zurückzukehren,verbot sich. Weder Sommer- noch Winterquartier war bereit,ihn aufzunehmen. Aber nicht nur hier gab es Meer und Strand,und anderwärts fanden sie sich ohne die böse Zutat der La-gune und ihres Fieberdunstes. Er erinnerte sich eines kleinenSeebades nicht weit von Triest, das man ihm rühmlich ge-nannt hatte. Warum nicht dorthin? Und zwar ohne Verzug,damit der abermalige Aufenthaltswechsel sich noch lohne.Er erklärte sich für entschlossen und stand auf. Am nächstenGondelhalteplatz nahm er ein Fahrzeug und ließ sich durchdas trübe Labyrinth der Kanäle, unter zierlichen Marmor-baikonen hin, die von Löwenhildern flankiert waren, um glit-schige Mauerecken, vorbei an trauernden Palastfassaden, diegroße Firmenschilder im Abfall schaukelnden Wasser spie-gelten, nach San Marco leiten. Er hatte Mühe, dorthin zugelangen, denn der Gondolier, der mit Spitzenfabriken undGlasbläsereien im Bunde stand, versuchte überall, ihn zu Be-sichtigung und Einkauf abzusetzen, und wenn die bizarreFahrt durch Venedig ihren Zauber zu üben begann, so tat derbeutelschneiderische Geschäftsgeist der gesunkenen Königindas Seine, den Sinn wieder verdrießlich zu ernüchtern.