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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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nicht recht erfreulich waren: etwas zackig und blaß, ohne denSchmelz der Gesundheit und von eigentümlich spröder Durch-sichtigkeit, wie zuweilen bei Bleichsüchtigen. Er ist sehr zart,er ist kränklich, dachte Aschenbach. Er wird wahrscheinlichnicht alt werden. Und er verzichtete darauf, sich Rechenschaftvon einem Gefühl der Genugtuung oder Beruhigung zu ge-ben, das diesen Gedanken begleitete.

Er verbrachte zwei Stunden auf seinem Zimmer und fuhram Nachmittag mit dem Vaporetto über die faul riechendeLagune nach Venedig. Er stieg aus bei San Marco, nahm denTee auf dem Platze und trat dann, seiner hiesigen Tagesord-nung gemäß, einen Spaziergang durch die Straßen an. Es warjedoch dieser Gang, der einen völligen Umschwung seinerStimmung, seiner Entschlüsse herbeiführte.

Eine widerliche Schwüle lag in den Gassen; die Luft warso dick, daß die Gerüche, die aus Wohnungen, Läden, Gar-küchen quollen, Öldunst, Wolken von Parfüm und viele an-dere in Schwaden standen, ohne sich zu zerstreuen. Ziga-rettenrauch hing an seinem Orte und entwich nur langsam.Das Menschengeschiebe in der Enge belästigte den Spazier-gänger, statt ihn zu unterhalten. Je länger er ging, desto quä-lender bemächtigte sich seiner der abscheuliche Zustand, dendie Seeluft zusammen mit dem Scirocco hervorbringen kann,und der zugleich Erregung und Erschlaffung ist. PeinlicherSchweiß brach ihm aus. Die Augen versagten den Dienst, dieBrust war beklommen, er fieberte, das Blut pochte im Kopf.Er floh aus den drangvollen Geschäftsgassen über Brückenin die Gänge der Armen. Dort behelligten ihn Bettler, unddie üblen Ausdünstungen der Kanäle verleideten das Atmen.