Beinahe schien es ihm, als säße er hier, um den Ruhenden zubehüten, — mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt und da-bei doch in beständiger Wachsamkeit für das edle Menschen-bild dort zur Rechten, nicht weit von ihm. Und eine väterlicheHuld, die gerührte Hinneigung dessen, der sich opfernd imGeiste das Schöne zeugt, zu dem, der die Schönheit hat, erfüllteund bewegte sein Herz.
Nach Mittag verließ er den Strand, kehrte ins Hotel zurückund ließ sich hinauf vor sein Zimmer fahren. Er verweilte dortdrinnen längere Zeit vor dem Spiegel und betrachtete seingrauesHaar, seinmüdes undscharfesGesicht. In diesem Augen-blick dachte er an seinen Ruhm und daran, daß viele ihn aufden Straßen kannten und ehrerbietig betrachteten, um seinessicher treffenden und mit Anmut gekrönten Wortes willen, —rief alle äußeren Erfolge seines Talentes auf, die ihm irgendeinfallen wollten, und gedachte sogar seiner Nobilitierung. Erbegab sich dann zum Lunch hinab in den Saal und speiste anseinem Tischchen. Als er nach beendeter Mahlzeit den Liftbestieg, drängte junges Volk, das gleichfalls vom Frühstückkam, ihm nach in das schwebende Kämmerchen, und auchTad-zio trat ein. Er stand ganz nahe bei Aschenbach, zum erstenMale so nah, daß dieser ihn nicht in bildmäßigem Abstand, son-dern genau, mit den Einzelheiten seiner Menschlichkeit wahr-nahm und erkannte. Der Knabe ward angeredet von irgendjemandem, und während er mit unbeschreiblich lieblichemLächeln antwortete, trat er schon wieder aus, im ersten Stock-werk, rückwärts, mit niedergeschlagenen Augen. Schönheitmacht schamhaft, dachte Aschenbach und bedachte sehr ein-dringlich, warum. Er hatte j edoch bemerkt, daß Tadzios Zähne