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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
47
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die Abkürzung von „Tadeusz“ und im Anrufe „Tadziu“ lau-tend.

Tadzio badete. Aschenbach, der ihn aus den Augen verlorenhatte, entdeckte seinen Kopf, seinen Arm, mit dem er ruderndausholte, weit draußen im Meer; denn das Meer mochte flachsein bis weit hinaus. Aber schon schien man besorgt um ihn,schon riefen Frauenstimmen nach ihm von den Hütten, stie-ßen wiederum diesen Namen aus, der den Strand beinahe wieeine Losung beherrschte und, mit seinen weichen Mitlauten,seinem gezogenen U-Ruf am Ende, etwas zugleich Süßes undWildes hatte: „Tadziu! Tadziu!“ Er kehrte zurück, erlief, daswiderstrebende Wasser mit den Beinen zu Schaum schlagend,hintübergeworfenen Kopfes durch die Flut; und zu sehen, wiedie lebendige Gestalt, vormännlich hold und herb, mit trie-fenden Locken und schön wie ein zarter Gott, herkommendaus den Tiefen von Himmel und Meer, dem Elemente entstiegund entrann: dieser Anblick gab mythische Vorstellungen ein,er war wie Dichterkunde von anfänglichen Zeiten, vom Ur-sprung der Form und von der Geburt der Götter. Aschenbachlauschte mit geschlossenen Augen auf diesen in seinem Innernantönenden Gesang, und abermals dachte er, daß es hier gutsei und daß er bleiben wolle.

Später lag Tadzio, vom Bade ausruhend, im Sande, gehülltin sein weißes Laken, das unter der rechten Schulter durch-gezogen war, den Kopf auf den bloßen Arm gebettet; und auchwenn Aschenbach ihn nicht betrachtete, sondern einige Seitenin seinem Buche las, vergaß er fast niemals, daß jener dort lagund daß es ihn nur eine leichte Wendung des Kopfes nachrechts kostete, um das Bewunderungswürdige zu erblicken.