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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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sich mit krähender Stimme an Aufgeräumtheit vor allen an-dern hervor. Kaum aber hatte Aschenbach ihn ein wenig ge-nauer ins Auge gefaßt, als er mit einer Art von Entsetzenerkannte, daß der Jüngling falsch war. Er war alt, man konntenicht zweifeln. Runzeln umgaben ihm Augen und Mund. Dasmatte Karmesin der Wangen war Schminke, das braune Haarunter dem farbig umwundenen Strohhut Perücke, sein Halsverfallen und sehnig, sein aufgesetztes Schnurrbärtchen unddie Fliege am Kinn gefärbt, sein gelbes und vollzähligesGebiß, das er lachend zeigte, ein billiger Ersatz, und seineHände, mit Siegelringen an beiden Zeigefingern, waren dieeines Greises. Schauerlich angemutet sah Aschenbach ihmund seiner Gemeinschaft mit den Freunden zu. Wußten, be-merkten sie nicht, daß er alt war, daß er zu Unrecht ihrestutzerhafte und bunte Kleidung trug, zu Unrecht einen derihren spielte? Selbstverständlich und gewohnheitsmäßig, wiees schien, duldeten sie ihn in ihrer Mitte, behandelten ihn alsihresgleichen, erwiderten ohne Widerwillen seine neckischenRippenstöße. Wie ging das zu? Aschenbach bedeckte seineStirn mit der Hand und schloß die Augen, die heiß waren,da er zu wenig geschlafen hatte. Ihm war, als lasse nicht allessich ganz gewöhnlich an, als beginne eine träumerische Ent-fremdung, eine Entstellung der Welt ins Sonderbare umsich zu greifen, der vielleicht Einhalt zu tun wäre, wenn ersein Gesicht ein wenig verdunkelte und aufs neue um sichschaute. In diesem Augenblick jedoch berührte ihn das Ge-fühl des Schwimmens, und mit unvernünftigem Erschreckenaufsehend, gewahrte er, daß der schwere und düstere Körperdes Schiffes sich langsam vom gemauerten Ufer löste. Zoll-