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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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weise, unter dem Vorwärts- und Rückwärtsarbeiten der Ma-schine, verbreiterte sich der Streifen schmutzig schillerndenWassers zwischen Quai und Schiffswand, und nach schwer-fälligen Manövern kehrte der Dampfer seinen Bugspriet demoffenen Meere zu. Aschenbach ging nach der Steuerbordseitehinüber, wo der Bucklige ihm einen Liegestuhl aufgeschlagenhatte und ein Steward in fleckigem Frack nach seinen B efehlenfragte.

Der Himmel war grau, der Wind feucht. Hafen und Inselnwaren zurückgeblieben, und rasch verlor sich aus dem dun-stigen Gesichtskreise alles Land. Flocken von Kohlenstaubgingen, gedunsen von Nässe, auf das gewaschene Deck nieder,das nicht trocknen wollte. Schon nach einer Stunde spannteman ein Segeldach aus, da es zu regnen begann.

In seinen Mantel geschlossen, ein Buch im Schoße, ruhteder Reisende, und die Stunden verrannen ihm unversehens.Es hatte zu regnen aufgehört; man entfernte das leinene Dach.Der Horizont war vollkommen. Unter der trüben Kuppel desHimmels dehnte sich rings die ungeheure Scheibe des ödenMeeres. Aber im leeren, im ungegliederten Raume fehlt un-serem Sinn auch das Maß der Zeit, und wir dämmern im Un-gemessenen. Schattenhaft sonderbare Gestalten, der greiseGeck, der Ziegenbart aus dem Schiffsinnern, gingen mit un-bestimmten Gebärden, mit verwirrten Traumworten durchden Geist des Ruhenden, und er schlief ein.

Um Mittag nötigte man ihn zur Kollation in den korridor-artigen Speisesaal hinab, auf den die Türen der Schlafkojenmündeten und wo am Ende des langen Tisches, zu dessenHäupten er speiste, die Handelsgehilfen, einschließlich des