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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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haupt einen anderen Heroismus gäbe, als denjenigen derSchwäche. Welches Heldentum aber jedenfalls wäre zeitge-mäßer als dieses? Gustav Aschenbach war der Dichter allderer, die am Rande der Erschöpfung arbeiten, der Über-bürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthalten-den, all dieser Moralisten der Leistung, die, schmächtig vonWuchs und spröde von Mitteln, durch Willensverzückungund kluge Verwaltung sich wenigstens eine Zeitlang die Wir-kungen der Größe abgewinnen. Ihrer sind viele, sie sind dieHelden des Zeitalters. Und sie alle erkannten sich wieder inseinem Werk, sie fanden sich bestätigt, erhoben, besungendarin, sie wußten ihm Dank, sie verkündeten seinen Namen.

Er war jung und roh gewesen mit der Zeit und, schlechtberaten von ihr, war er öffentlich gestrauchelt, hatte Mißgriffegetan, sich bloßgestellt, Verstöße gegen Takt und Besonnen-heit begangen in Wort und Werk. Aber er hatte die Würdegewonnen, nach welcher, wie er behauptete, jedem großenTalente ein natürlicher Drang und Stachel eingeboren ist, ja,man kann sagen, daß seine ganze Entwicklung ein bewußterund trotziger, alle Hemmungen des Zweifels und der Ironiezurücklassender Aufstieg zur Würde gewesen war.

Lebendige, geistig unverbindliche Greifbarkeit der Gestal-tung bildet das Ergötzen der bürgerlichen Massen, aber leiden-schaftlich unbedingte Jugend wird nur durch das Problema-tische gefesselt: und Aschenbach war problematisch, war un-bedingt gewesen wie nur irgendein Jüngling. Er hatte demGeiste gefrönt, mit der Erkenntnis Raubbau getrieben, Saat-frucht vermahlen, Geheimnisse preisgegeben, das Talent ver-dächtigt, die Kunst verraten, — ja, während seine Bildwerke