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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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die gläubig Genießenden unterhielten, erhoben, belebten,hatte er, der jugendliche Künstler, die Zwanzigjährigen durchseine Zynismen über das fragwürdige Wesen der Kunst, desKünstlertums selbst in Atem gehalten.

Aber es scheint, daß gegen nichts ein edler und tüchtigerGeist sich rascher, sich gründlicher abstumpft, als gegen denscharfen und bitteren Reiz der Erkenntnis; und gewiß ist, daßdie schwermütiggewissenhafteste Gründlichkeit des JünglingsSeichtheit bedeutet im Vergleich mit dem tiefen EntschlüssedesMeister gewordenen Mannes, das Wissen zuleugnen, es ab-zulehnen, erhobenen Hauptes darüber hinwegzugehen, sofernes den Willen, dieTat, das Gefühl und selbst die Leidenschaftim geringsten zu lähmen, zu entmutigen, zu entwürdigen ge-eignet ist. Wie wäre die berühmte Erzählung vom „Elenden“wohl anders zu deuten, denn als Ausbruch des Ekels gegenden unanständigen Psychologismus der Zeit, verkörpert in derFigur jenes weichen und albernen Halbschurken, der sich einSchicksal erschleicht, indem er sein Weib, aus Ohnmacht, ausLasterhaftigkeit, aus ethischer Velleität, in die Arme einesUn-bärtigen treibt und aus Tiefe Nichtswürdigkeiten begehen zudürfen glaubt? Die Wucht des Wortes, mit welcher hier dasVerworfene verworfen wurde, verkündete die Abkehr vonallem moralischen Zweifelsinn, von jeder Sympathie mit demAbgrund, die Absage an die Laxheit des Mitleidssatzes, daßalles verstehen alles verzeihen heiße, und was sich hier vor-bereitete, ja schon vollzog, war jenes „Wunder der wieder-geborenen Unbefangenheit“, auf welches ein wenig später ineinem der Dialoge des Autors ausdrücklich und nicht ohne ge-heimnisvolle Betonung die Rede kam. Seltsame Zusammen-