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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
Seite
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zu seinem Werk;und was Wunder also, wenn es auch der sitt-liche Charakter, die äußere Gebärde seiner eigentümlichstenFiguren war?

Über den neuen, in mannigfach individuellen Erscheinun-gen wiederkehrenden Heldentyp, den dieser Schriftsteller be-vorzugte, hatte schon frühzeitig ein kluger Zergliederer ge-schrieben: daß er die Konzeption „einer intellektuellen undjünglinghaften Männlichkeit“ sei, „die in stolzer Scham dieZähne aufeinanderbeißt und ruhig dasteht, während ihr dieSchwerter und Speere durch den Leib gehen. “ Das war schön,geistreich und exakt, trotz seiner scheinbar allzu passivischenPrägung. Denn Haltung im Schicksal, Anmut in der Qual be-deutet nicht nur ein Dulden; sie ist eine aktive Leistung, einpositiver Triumph, und die Sebastian-Gestalt ist das schönsteSinnbild, wenn nicht der Kunst überhaupt, so doch gewiß derin Rede stehenden Kunst. Blickte man hinein in diese erzählteWelt, sah man: die elegante Selbstbeherrschung, die bis zumletzten Augenblick eine innere Unterhöhlung, den biologi-schen Verfall vor den Augen der Welt verbirgt; die gelbe,sinnlich benachteiligte Häßlichkeit, die es vermag, ihre schwe-lende Brunst zur reinen Flamme zu entfachen, j a, sich zur Herr-schaft im Reiche der Schönheit aufzuschwingen; die bleicheOhnmacht, welche aus den glühenden Tiefen des Geistes dieKraft holt, ein ganzes übermütiges Volk zu Füßen des Kreuzes,zu ihr en Füßen niederzuwerfen; die liebenswürdige Haltungim leeren und strengen Dienste der Form; das falsche, gefähr-liche Leben, die rasch entnervende Sehnsucht und Kirnst desgeborenen Betrügers: betrachtete man all dies Schicksal undwieviel gleichartiges noch, so konnte man zweifeln, ob es über-