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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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Kunst zum Opfer dar. Es war verzeihlich, ja, es bedeuteterecht eigentlich den Sieg seiner Moralität, wenn Unkundigedie Maja-Welt oder die epischen Massen, in denen sich Fried-richs Heldenleben entrollte, für das Erzeugnis gedrungenerKraft und eines langen Atems hielten, während sie vielmehrin kleinen Tagewerken aus aberhundert Einzelinspirationenzur Größe emporgeschichtet und nur darum so durchaus undan jedem Punkte vortrefflich waren, weil ihr Schöpfer miteiner Willensdauer und Zähigkeit, derjenigen ähnlich, dieseine Heimatprovinz eroberte, jahrelang unter der Spannungeines und desselben Werkes ausgehalten und an die eigent-liche Herstellung ausschließlich seine stärksten und würdig-sten Stunden gewandt hatte.

Damit ein bedeutendes Geistesprodukt auf der Stelle einebreite und tiefe Wirkung zu üben vermöge, muß eine geheimeVerwandtschaft, ja Übereinstimmung zwischen dem persön-lichen Schicksal seines Urhebers und dem allgemeinen desmitlebenden Geschlechtes bestehen. Die Menschen wissennicht, warum sie einem Kunstwerke Ruhm bereiten. Weit ent-fernt von Kennerschaft, glauben sie hundert Vorzüge daranzu entdecken, um so viel Teilnahme zu rechtfertigen; aberder eigentliche Grund ihres Beifalls ist ein Unwägbares, istSympathie. Aschenhach hatte es einmal an wenig sichtbarerStelle unmittelbar ausgesprochen, daß beinahe alles Große,was dastehe, als ein Trotzdem dastehe, trotz Kummer undQual, Armut, V erlassenheit, Körperschwäche, Laster, Leiden-schaft und tausend Hemmnissen zustande gekommen sei. Aberdas war mehr als eine Bemerkung, es war eine Erfahrung, wargeradezu dieFormel seines Lebens und Ruhmes, der Schlüssel