zur ständigen Anspannung nur berufen, nicht eigentlich ge-boren war.
Ärztliche Fürsorge hatte denKnaben vom Schulbesuch aus-geschlossen und auf häuslichen Unterricht gedrungen. Ein-zeln, ohne Kameradschaft war er aufgewachsen und hatte dochzeitig erkennen müssen, daß er einem Geschlecht angehörte,in dem nicht das Talent, wohl aber die physische Basis eineSeltenheit war, deren das Talent zu seiner Erfüllung bedarf,— einem Geschlechte, das früh sein Bestes zu geben pflegtund in dem das Können es selten zu Jahren bringt. Aber seinLieblingswort war „Durchhalten“, — er sah in seinem Fried-rich-Roman nichts anderes als die Apotheose dieses Befehls-wortes, das ihm als der Inbegriff leidend-tätiger Tugend er-schien. Auch wünschte er sehnlichst, alt zu werden, denn erhatte von j eher dafür gehalten, daß wahrhaft groß, umfassend,ja wahrhaft ehrenwert nur das Künstlertum zu nennen sei,dem es beschieden war, auf allen Stufen des Menschlichencharakteristisch fruchtbar zu sein.
Da er also die Aufgaben, mit denen sein Talent ihn belud,auf zarten Schultern tragen und weit gehen wollte, so bedurfteer höchlich der Zucht, — und Zucht war ja zum Glücke seineingeborenes Erbteil von väterlicher Seite. Mit vierzig, mitfünfzig Jahren wie schon in einem Alter, wo andere verschwen-den, schwärmen, die Ausführung großer Pläne getrost ver-schieben, begann er seinen Tag beizeiten mit Stürzen kaltenWassers über Brust und Rücken und brachte dann, ein Paarhoher Wachskerzen in silbernen Leuchtern zuHäupten desManuskripts, die Kräfte, die er im Schlaf gesammelt, in zweioder drei inbrünstig gewissenhaften Morgenstunden der