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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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ten durfte. Aber verständig schien es, den Bogen nicht zu über-spannen und ein so lebhaft ausbrechendes Bedürfnis nichteigensinnig zu ersticken. Er dachte an seine Arbeit, dachte andie Stelle, an der er sie auch heute wieder, wie gestern schon,hatte verlassen müssen und die weder geduldiger Pflege nocheinem raschen Handstreich sich fügen zu wollen schien. Erprüfte sie aufs neue, versuchte die Hemmung zu durchbrechenoder aufzulösen und ließ mit einem Schauder des Widerwillensvom Angriff ab. Hier bot sich keine außerordentliche Schwie-rigkeit, sondern was ihn lähmte, waren die Skrupeln der Un-lust, die sich als eine durch nichts mehr zu befriedigende Un-genügsamkeit darstellte. Ungenügsamkeit freilich hatte schondem Jüngling als Wesen und innerste Natur des Talentes ge-golten, und um ihretwillen hatte er das Gefühl gezügelt underkältet, weil er wußte, daß es geneigt ist, sich mit einem fröh-lichen Ungefähr und mit einer halben Vollkommenheit zu be-gnügen. Rächte sich nun also die geknechtete Empfindung,indem sie ihn verließ, indem sie seine Kunst fürder zu tragenund zu beflügeln sich weigerte und alle Lust, alles Entzückenan der Form und am Ausdruck mit sich hinwegnahm? Nicht,daß er Schlechtes herstellte: dies wenigstens war der Vorteilseiner Jahre, daß er sich seiner Meisterschaft jeden Augenblickin Gelassenheit sicher fühlte. Aber er selbst, während die Na-tion sie ehrte, er ward ihrer nicht froh, und es schien ihm, alsermangle sein Werk jener Merkmale feurig spielender Laune,die, ein Erzeugnis der Freude, mehr als irgendein innerer Ge-halt, ein gewichtigerer Vorzug, die Freude der genießendenWelt bildeten. Er fürchtete sich vor dem Sommer auf demLande, allein in dem kleinen Hause mit der Magd, die ihm das