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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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zu rühren, von der Oberfläche der Erde gewinnen kann, undwar niemals auch nur versucht gewesen, Europa zu verlassen.Zumal seit sein Leben sich langsam neigte, seit seine Künst-lerfurcht, nicht fertig zu werden, — diese Besorgnis, die Uhrmöchte abgelaufen sein, bevor er das Seine getan und völligsich selbst gegeben, nicht mehr als bloße Grille von der Handzu weisen war, hatte sein äußeres Dasein sich fast ausschließ-lich auf die schöne Stadt, die ihm zur Heimat geworden, undauf den rauhen Landsitz beschränkt, den er sich im Gebirgeerrichtet und wo er die regnerischen Sommer verbrachte.

Auch wurde denn, was ihn da eben so spät und plötz-lich angewandelt, sehr bald durch Vernunft und von jungauf geübte Selbstzucht gemäßigt und richtiggestellt. Er hattebeabsichtigt, das Werk, für welches er lebte, bis zu einem ge-wissen Punkte zu fördern, bevor er aufs Land übersiedelte,und der Gedanke einer Weltbummelei, die ihn auf Monateseiner Arbeit entführen würde, schien allzu locker und plan-widrig, er durfte nicht ernstlich in Frage kommen. Und dochwußte er nur zu wohl, aus welchem Grunde die Anfechtungso unversehens hervorgegangen war. Fluchtdrang war sie,daß er es sich eingestand, diese Sehnsucht ins Ferne und Neue,diese Begierde nach Befreiung, Entbürdung und Vergessen,— der Drang hinweg vom Werke, von der Alltagsstätte einesstarren, kalten und leidenschaftlichen Dienstes. Zwar liebteer ihn und liebte auch fast schon den entnervenden, sich täg-lich erneuernden Kampf zwischen seinem zähen und stolzen,so oft erprobten Willen und dieser wachsenden Müdigkeit,von der niemand wissen und die das Produkt auf keine Weise,durch kein Anzeichen des Versagens und der Laßheit verra-