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Der Tod in Venedig : Novelle
Entstehung
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Schrecken der mannigfaltigen Erde, die sie auf einmal sich vor-zustellen bestrebt war: er sah, sah eine Landschaft, ein tro-pisches Sumpfgebiet unter dickdunstigem Himmel, feucht,üppig und ungeheuer, eine Art Urweltwildnis aus Inseln, Mo-rästen und Schlamm führenden Wasserarmen, — sah aus gei-lem Farrengewucher, aus Gründen von fettem, gequollenemund abenteuerlich blühendem Pflanzenwerk haarige Palmen-schäfte nah und ferne emporstreben, sah wunderlich unge-stalte Bäume ihre Wurzeln durch die Luft in den Boden, instockende, grünschattig spiegelnde Fluten versenken, wo zwi-schen schwimmenden Blumen, die milchweiß und groß wieSchüsseln waren, Vögel von fremder Art, hochschultrig, mitunförmigen Schnäbeln, im Seichten standen und unbeweglichzur Seite blickten, sah zwischen den knotigen Rohrstämmendes Bambusdickichts die Lichter eines kauernden Tigers fun-keln — und fühlte sein Herz pochen vor Entsetzen und rätsel-haftem Verlangen. Dann wich das Gesicht; und mit einemKopfschütteln nahm Aschenbach seine Promenade an denZäunen der Grabsteinmetzereien wieder auf.

Er hatte, zum mindesten, seit ihm die Mittel zu Gebote ge-wesen waren, die Vorteile des Weltverkehrs beliebig zu ge-nießen, das Reisen nicht anders, denn als eine hygienischeMaßregel betrachtet, die gegen Sinn und Neigung dann undwann hatte getroffen werden müssen. Zu beschäftigt mit denAufgaben, welche sein Ich und die europäische Seele ihm stell-ten, zu belastet von der Verpflichtung zur Produktion, derZerstreuung zu abgeneigt, um zum Liebhaber der buntenAußenwelt zu taugen, hatte er sich durchaus mit der Anschau-ung begnügt, die jedermann, ohne sich weit aus seinem Kreise