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Tristan : 6 Novellen
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ihm doch so vertraut und verwandt war: „Ich möchteschlafen, aber du mußt tanzen." Er kannte sie so gut,die melancholisch-nordische, innig-ungeschickte Schwer-fälligkeit der Empfindung, die daraus sprach.Schlafen . . . Sich danach sehnen, einfach und völligden: Gefühle leben zu dürfen, das ohne die Ver-pflichtung, zur That und zum Tanz zu werden, süßund träge in sich selber ruht, — und dennoch tanzen,behend und geistesgegenwärtig den schweren, schwe-ren und gefährlichen Messertanz der Kunst vollführenzu müssen, ohne je ganz des demütigenden Wider-sinnes zu vergessen, der darin lag, tanzen zu müssen,indeß man liebte ...

Auf einmal geriet das Ganze in eine tolle undausgelassene Bewegung. Die Carres hatten sich auf-gelöst, und springend und gleitend stob Alles umher:man beschloß die Quadrille mit einem Galopp. DiePaare flogen zum rasenden Eiltakt der Musik anTonio Kröger vorüber, chassierend, hastend, einanderüberholend, mit kurzem, atemlosem Gelächter. Eineskam daher, mitgerissen von der allgemeinen Jagd,kreisend und vorwärts sausend. Das Mädchen hatteein blasses, feines Gesicht und magere, zu hohe Schul-tern. Und plötzlich, dicht vor ihm, entstand ein Stol-pern, Rutschen und Stürzen . . . Das blasse Mäd-chen fiel hin. Sie fiel so hart und heftig, daß es fastgefährlich aussah, und mit ihr der Kavalier. Diesermußte sich so gröblich Weh gethan haben, daß er seinerTänzerin ganz vergaß, denn, nur halbwegs aufge-richtet, begann er unter Grimassen seine Kniee mit

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