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Tristan : 6 Novellen
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lärm des üppigen Wohlgeschmacks das Aechzen dergequälten Erde übertönen zu können? Ihr irrt,Schamlose! Gott läßt sich nicht spotten, und einGreuel ist in seinen Augen euer frecher Götzendienstder gleißenden Oberfläche!... Du schmähst dieKunst, antworten Sie mir, du, Unbekannter. Sielügen, sage ich Ihnen, ich schmähe nicht die Kunst!Die Kunst ist kein gewissenloser Trug, der lockend zurBekräftigung und Bestätigung des Lebens im Fleischereizt! Die Kunst ist die heilige Fackel, die barmherzighineinleuchte in alle fürchterlichen Tiefen, in alleschäm- und gramvollen Abgründe des Daseins; dieKunst ist das göttliche Feuer, das an die Welt gelegtwerde, damit sie aufflamme und zergehe samt allihrer Schande und Marter in erlösendem Mitleid!...Nehmen Sie, Herr Blüthenzweig, nehmen Sie dasWerk des berühmten Malers dort aus Ihrem Fen-ster ... ja, Sie thäten gut, es mit einem heißen Feuerzu verbrennen und seine Asche in alle Winde zustreuen, in alle vier Winde!..."

Seine unschöne Stimme brach ab. Er hatteeinen heftigen Schritt rückwärts gethan, hatte einenArm der Umhüllung des schwarzen Mantels ent-rissen, hatte ihn mit leidenschaftlicher Bewegung weithinausgereckt und wies mit einer seltsam verzerrten,krampfhaft aus- und niederbebenden Hand auf dieAuslage, das Schaufenster, dorthin, wo das Auf-sehen erregende Madonnenbild seinen Platz hatte. Indieser herrischen Haltung verharrte er. Seine große,gehöckerte Nase schien mit einem befehlshaberischen