159
zu durchschauen und nicht angesichts ihrer von Ekelund Gram erfüllt zu werden? Es ist verbrecherisch,die Unwissenheit der schamlosen Kinder und keckenUnbedenklichen durch die Erhöhung und frevle An-betung der Schönheit zu bestätigen, zu bekräftigenund ihr zur Macht zu verhelfen, denn sie sind weitvom Leiden und weiter noch von der Erlösung!...Du blickst schwarz, antworten Sie mir, du, Unbe-kannter. Das Wissen, sage ich Ihnen, ist die tiefsteQual der Welt; aber es ist das Fegefeuer, ohne dessenläuternde Pein keines Menschen Seele zum Heile ge-langt. Nicht kecker Kindersinn und ruchlose Unbe-fangenheit frommt, Herr Blüthenzweig, sondernjene Erkenntnis, in der die Leidenschaften unsereseklen Fleisches Hinsterben und verlöschen."
Stillschweigen. Der gelbe Herr mit dem schwar-zen Ziegenbart meckerte kurz.
„Sie müssen nun wohl gehen," sagte derSchlechtbezahlte sanft.
Aber Hieronymus machte keineswegs Anstalten,zu gehen. Hoch aufgerichtet in seinem Kapuzen-mantel, mit brennenden Augen stand er inmitten desKunstladens, und seine dicken Lippen formten mithartem und gleichsam rostigem Klange unaufhaltsamverdammende Worte...
„Kunst! rufen sie, Genuß! Schönheit! Hülltdie Welt in Schönheit ein und verleiht jedem Dingeden Adel des Stiles!... Geht mir. Verruchte!Denkt man, mit prunkenden Farben das Elend derWelt zu übertünchen? Glaubt man, mit dem Fest-