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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
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den. Liebte er die Sonne nicht, die die schöne Stadtin Festglanz tauchte? Warum hielt er in sich gekehrtnnd abgewandt die Augen zu Boden gerichtet, indeser wandelte?

Er trug keinen Hut, woran bei der Kostümfrei-heit der leichtgemuten Stadt keine Seele Anstoßnahm, sondern hatte statt dessen die Kapuze seinesweiten, schwarzen Mantels über den Kopf gezogen,die seine niedrige, eckig hervorspringende Stirn be-schattete, seine Ohren bedeckte und seine hagerenWangen umrahmte. Welcher Gewissensgram, welcheSkrupeln und welche Mißhandlungen seiner selbst^hatten diese Wangen so auszuhöhlen vermocht?Ist es nicht schauerlich, an solchem Sonnentage denKummer in den Wangenhöhlen eines Menschen woh-nen zu sehen? Seine dunklen Brauen verdickten sichstark an der schmalen Wurzel seiner Nase, die großund gehöckert aus dem Gesichte hervorsprang, undseine Lippen waren stark und wulstig. Wenn er seineziemlich nahe bei einander liegenden braunen Augenerhob, bildeten sich Querfalten auf seiner kantigenStirn. Er blickte mit einem Ausdruck von Wissen,Begrenztheit und Leiden. Im Profil gesehen, glichdieses Gesicht genau einem alten Bildnis vonMöncheshand, aufbewahrt zu Florenz in einerengen und harten Klosterzelle, aus welcher einstmalsein furchtbarer und niederschmetternder Protestgegen das Leben und seinen Triumph erging . ..

Hieronymus schritt die Schellingstraße hinan,schritt langsam und fest, indes er seinen weiten