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Tristan : 6 Novellen
Entstehung
Seite
141
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umrahmt, von fließenden Linien und sonnigen Far-ben, Bacchanten, Nixen, rosigen Nacktheiten...

Es ist stets aufs neue ergötzlich, vor den Aus-lagen der Kunstschreinereien und der Bazare für mo-derne Luxusartikel zu verweilen. Wie viel phantasie-voller Komfort, wie viel linearer Humor in der Ge-stalt aller Dinge! Ueberall sind die kleinen Skulptur-,Rahmen- und Antiquitätenhandlungen verstreut, ausderen Schaufenstern dir die Büsten der florentinischenQuattrocento-Frauen voll einer edlen Pikanterie ent-gegenschauen. Und der Besitzer des kleinsten und bil-ligsten dieser Läden spricht dir von Donatello undMino da Fiesole, als habe er das Vervielfältigungs-recht von ihnen persönlich empfangen...

Aber dort oben am Odeonsplatz, angesichts dergewaltigen Loggia, vor der sich die geräumige Mosaik-fläche ausbreitet, und schräg gegenüber dem Palastdes Regenten, drängen sich die Leute um die breitenFenster und Schaukästen des großen Kunstmagazins,des weitläufigen Schönheitsgeschästes von M. Blü-thenzweig. Welche freudige Pracht der Auslage!Reproduktionen von Meisterwerken aus allen Gale-rieen der Erde, eingefaßt in kostbare, raffiniert ge-tönte und ornamentierte Rahmen in einem Geschmackvon preziöser Einfachheit; Abbildungen modernerGemälde, sinnenfroher Phantasieen, in denen dieAntike auf eine humorvolle und realistische Weisewiedergeboren zu sein scheint; die Plastik der Renais-sance in vollendeten Abgüssen; nackte Bronzeleiberund zerbrechliche Ziergläser; irdene Vasen von steilem