Es giebt Ehen, deren Entstehung die belletri-stisch geübteste Phantasie sich nicht vorzustellen ver-mag. Man muß sie hinnehmen, wie man im Theaterdie abenteuerlichen Verbindungen von Gegensätzenwie Alt und Stupide mit Schön und Lebhaft hin-nimmt, die als Voraussetzung gegeben sind und dieGrundlage für den mathematischen Aufbau einerPosse bilden.
Was die Gattin des Rechtsanwalts Jacoby be-trifft, so war sie jung und schön, eine Frau von un-gewöhnlichen Reizen. Vor — sagen wir einmal —dreißig Jahren war sie auf die Namen Anna, Mar-garethe, Rosa, Amalie getauft worden, aber manhatte sie, indem man die Anfangsbuchstaben dieserVornamen zusammenstellte, von jeher nicht andersals Amra genannt, ein Name, der mit seinem exoti-schen Klange zu ihrer Persönlichkeit paßte wie keinanderer. Denn obgleich die Dunkelheit ihres starken,weichen Haares, das sie seitwärts gescheitelt und nachbeiden Seiten schräg von der schmalen Stirn hinweg-gestrichen trug, nur die Bräune des Kastanienkerneswar, so zeigte ihre Haut doch ein vollkommen süd-