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Stift Lorch : Quellen zur Geschichte einer Pfarrkirche
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XIX
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— XIX —

Die Kirche in Lorch steht innerhalb des ehemaligen Römer-kastells, die heutige Stadt bedeckt, soweit sie nicht auch im Kastellangebaut ist, offenbar den Raum, auf dem das römische Lagerdorfstand. Das erklärt die Spärlichkeit römischer Funde, nach denenfreilich, auch noch nicht mit genügendem Nachdruck gesucht wordenist. Der überlange Chor der Kirche, die in ihrer 'jetzigen Gestaltaus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt,'geht quer überdie Lagerstrasse weg. ') Leider ist bis jetzt kein Versuch gemachtworden, durch Grabungen die Lage und Grösse der früheren Kirchen-bauten an dieser Stelle zu ermitteln. Es wäre von Werl, fest-zustellen, ob auch der älteste nachweisbare Kirchenbau die Römer-strasse nicht beachtet hat. *) I m Plan des Städtchens fällt nebender merkwürdigen Unregelmässigkeit des Kirchhofs auf, dass nur einkleines Gasschen heute in seinem Verlauf dem Lagerweg einig er -en spricht; im allgemeinen ist von der römischen Anlage nichtsi zu erkennen. Das kann wohl nur so erklärt werden, dasszwischen dem Alten und Neuen eine Periode geringer Besiedlungie 9 , in der die römischen Spuren sich verlieren konnten. 3 ) Dennemer völligen Unterbrechung der Besiedlung scheint die Erhaltungdes vorrömischen Ortsnamens 4 ) zu widersprechen. Es mag eine Zeit-ung nur eine kleine Zahl von Wohnungen neben dem Kirchlein hiergewesen sein. Die Bedeutung des letzteren lag ohnehin noch langemehr in der Aufgabe das umliegende Gebiet dem Christentum zugewinnen als in der Rolle eines Mittelpunkts für die schon vorhandeneChristengemeinde.

Zur Zeit der fränkischen Mission, die nach 536 einsetzt, 6 ) war

die Christianisierung des Bezirks im grossen und ganzen offenbar

»chon vollendet. Keine einzige Kirche oder Kapelle hat einen der

in AlfT ZeU chnraläerlstlschen Titelheiligen. Nur der hl. Stephan

jdorf scheint eine Ausnahme zu machen. Aber das Beispiel

) Limeswerk Nr. 53.

1 ni ?'* Läng<> d€S Ch0rs ist hedin 'ß durch die Zahl der Priester. Vonam Uwrherren halte jeder dort seinen Sit,, stallum in choro (vgl. K. Müller,JJie l^sshnger Pfarrkirche im MA., Würlt. VieHeljahrsh. 16, 1907, S. 393 f.;Umschms in Herzogs Bealenz. 10. 1901, &'. 37, 43.

) Wie anderwärts römische Kastellbauten die darauf stehenden Dörferm ihrer Anlage becinflusst haben, zeigt e. B. Walheim OA. Besigheim, s. Limes-werk ffr. 57, und besonders Grosskrotzenburg, ebenda Nr. 33.

) Vgl. dazu: Das Königr. Württemberg 3, 1906, S. 539f.5 ) Bosserl in Wiirit. Kirchengesch, 17ff.

II*