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II. Pfarrkirche und KanonikatMift in Lorch.
G. Bossert 1 ) hat die Vermutung ausgesprochen und begründet,dass die Christengemeinde in Lorch in ihren Anfängen noch in die-Römerzeit zurückreiche und sich wenn auch wohl in kümmerlich ge-drückter Lage inmitten des Alamanncnlandes erhalten habe. DerGedanke ist nicht ohne weiteres abzuweisen, wenngleich es nichtmöglich ist, ihn unbedingt zu beweisen; es spricht doch manches fürihn. Allerdings fehlt es bis jetzt ganz an archäologischen Funden,nicht einmal so geringe Spuren des Christentums, wie wir sie fürdie nachrömische Alamannenzeit aus andern Landesteilen kennen,sind festgestellt. 2 )
*) G. Bossert, Die Anfänge des Christentums in Württ., Blätter f. württ.Kirchengesch. 3, 1S88, S. 3 und etwas abweichend in Württ. Kirchengesch. 1893,S. 4. Seine Gründe sind: die Lage von Lorch am Zusammentreffen derleiden Grenewälle, der grosse Umfang der Pfarrei Lorch, das Hecht des Pfarr-satzes in der Hand des Domstifts Augsburg bis zur Reformation, die hl. Afraals Schutzheilige lorchischer Eilialkirchen in Oberurbach und Täferrot, diehl. Maria als Kirchenheilige in Orten auf altem Römerboden, in Pfyn, Unter-kochen, Lautern und der Uffkirche bei Cannstatt. Der dritte Punkt ist ausder Reihe zu streichen: das Recht des Domkapitels ist, wie unsere Untersuchungweiter unten ergeben wird, wesentlich jünger und stammt erst aus dem Endedes 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts. Ob Täferrot in ältester Zeit zurLorcher Pfarrkirche gehörte, kann fraglich sein; aus späteren Nachrichtenergibt sich dafür nichts. Die Trennung von der Mutlerkirche müsste mit derBildung der Pfarrbezirke erfolgt sein, durch die die spätere Ostgrenze der PfarreiLorch festgelegt wurde. Eine Stütze von Bosserts Annahme, dass die PfatreiLorch ursprünglich weiter nach Osten sich erstreckte, könnte aus der Tat-sache gewonnen werden, dass in Alfdorf Stephanus Kirchenheiliger ist. Denndieser Heilige gehört dem fränkischen Missionssystem an und ist häufig mitden hl. Martin und Michael gruppiert: hier erscheint St. Martin in Iggingen,St. Michael in Oberböbingen. Es kommt hinzu, dass Alfdorf durch seinenNamen als alte heidnische Kultstätte gekennzeichnet ist und St. Stephan anStelle des Gottes Fro tritt (Württ. Kirchengesch. S. 7). Aber Alfdorf liegt dochvon Iggingen — Oberböbingen ziemlich entfernt und es kann, ohne im übrigenden Feststellungen Bosserts über die fränkischen Missionen entgegenzutreten.daran erinnert werden, dass die Verehrung des hl. Stephanus in der Kircheweit älter ist als das 6. Jahrhundert; als Kirchenpatron ist er z.B. 451 inMetz nachweisbar. Auch die auf römischem Grund im alten Kastell stehendeKirche in Walheim OA. Besigheim, deren Kirchhof durch die Kasiellmauerbegrenzt wird (Limeswerk Nr. 57), ist St. Stephanus geweiht.
J ) In Heilbronn und Sindelfingen; dazu ist noch jenseits der Landes-grenze Gammertingen zu nennen. Die Nachweise s. bei Kicker, Altchristi. Denk-mäler und Anfänge d. Christentums im Rheingebiet, 1909, S. 33.