542
markt, Deutsch=Bleiberg, in Tirol ziemlich verbreitet (nicht angegeben aus dem Lech* und Loisachgebiet und ausdem Inntal), stellenweise gemein, so um Meran und im Nonsberg. — In der Schweiz wohl nur im Norden undOsten (als pontische Einstrahlung). Die Angaben aus den Zentral» und Südalpen beziehen sich wohl durchwegsauf S. rupestre subsp. montanum.
Allgemeine Verbreitung! Weit verbreitet in Europa (nördlich bis zum Drontheimer Fjord63° 42' nördl. Breite,' Sörmland, Wermland, Aland).
Aendert ab: var. glaücum (Don). Laubblätter bläulichgrün oder hechtblau (Die verbreitete Form).—var. viride Koch (= var. reflexum [L.] Domin, = S. crassicaüle Link, = var. typicum Bede). Pflanze freudiggrün (Kulturform). Ab und zu angepflanzt und verwildert (Wird zuweilen mit Standortsformen von schattigenStellen des Typus verwechselt.) — var. a 1 bescens (Haw.) Fiori et Paoletti. Pflanze meist niedrig. Laubblätterder unfruchtbaren Sprosse aufrecht, gedrängt, an der Spitze oft nach einwärts gekrümmt. Wickel wenig zurück»gebogen. Kronblätter blassgelb. Selten: Hausberg bei Jena und am Saleve bei Genf. Ausserdem auch kulti»viert und verwildert. — var. arrigens (Grenier) Briquet (= S. Jurdnum Burnat). Pflanze grün. Stengelspitze(mit dem Blütenstand) vor dem Aufblühen aufrecht, nicht zurückgeschlagen (Südlicher Schweizer Jura > Colombierde Gex, Reculet).
Die subsp. reflexum erscheint besonders auf Felsen (Felsenheide der warmen Alpentäler und desJura) als Bestandteil der Felsfluren (zusammen mit Potentilla caulescens), auf Felsschutt, auf Sandfeldern (mitCorynephorus canescens, Herniaria glabra, Statice armeria, Jasione montana usw.), auf trockenen Wiesen vomCharakter des Brometum erecti und des Brachypodietum pinnäti, in den Rasen von Phleum Boehmeri undvon Festuca heterophylla (unter Eichen und Föhren), auf Buschwiesen, in der Sieglingia»Heide von Nord»deutschland, in der Sarothamnus»! leide, mit Pinus sylvestris usw. Gelegentlich wird es auch apophytisdi aufWembergsmauern, an Strassenrändern, an Ufern, auf trockenen Aeckern sowie auf Bahndämmen beobachtet.Von Thal wird die Pflanze 1577 als „Aizöon medium" für den Harz erwähnt. — Die Blütenstände sind vordem Aufblühen geotropisch nach abwärts gekrümmt. Nach H. Müller und F r i t s c h sind die Blüten un»vollständig proterandrisch. Als Besucher kommen besonders Bienen, Syrphiden, Rhopaloceren (Epinephele janira,Vanessa urticae) und Musciden (Anthonomyia spec.) in Betracht. Gelegentlich werden verbänderte Exemplare(f. cristätum hört., = monströsum Schoenl.) angetroffen (Fig. 921). Wettstein sammelte 1895 ein solchesExemplar in der Nähe von Prag, das sich als samenbeständig erwies und dessen Nachkommen heute in vielen Bota»nischen Gärten kultiviert werden. Die Spitzen der nichtblühenden Sprosse werden — besonders in Westeuropa —verschiedenen Salaten beigegeben, denen sie einen erfrischenden, etwas zusammenziehenden Geschmack verleihen.Auch als Suppenkraut — allein oder in Mischung — wird das Kraut benützt, sowie als Beilage zu Gemüsen,Salat oder Fleisch. In manchen Gegenden ist die „Tripmadam»Suppe" beliebt. Die sich stark bestockendeund ausbreitende Pflanze lässt sich leicht durch Teilung der Stöcke oder durch Sprossstecklinge vermehren,
2. subsp. 6lega n s (Lejeune) Hegi et Schmid (— S. rupestre L. var. glomerätum Boenninghausen?,= S. pruinätum Link). Fig. 917 h bis k. Pflanze 13 bis 50 (40) cm hoch. Laubblätter graugrün, lineaUlanzettlich, spitz,oder stachelspitzig, stielrund oder oberseits wenig abgeflacht, aufrecht, fein rauh punktiert. Kelchblätter stumpf,am Rande nach der Spitze zu knorpelig verdickt. Staubfäden kahl. Kronblätter goldgelb, abstehend.Einzig in Deutschland in Lothringen bei Metz, Diedenhofen und Sierk, im Mosel» und Nahetal, in der vulkanischenEifel, im Hunsrück (Saonwald), im Unterlahntal und von Bingen bis Koblenz. Allgemeine Verbreitung!Westeuropa (Spanien, Frankreich-, Westdeutschland, Belgien, England). Aendert ab; var. aüreum (Wirtgen).Laubsprosse verkehrt»kegelförmig, oben abgestutzt (beim Typus der Unterart kugelförmig) oder birnförmig(= S. Trevir6nse') Rosbach). Laubblätter meist purpurrot, am Grunde lang gespornt; Sporn länger oder solang (= S. Trevirense Rosbach) wie die Breite des Laubblattes. Blütenstand nach dem Abblühen knäuelförmigzusammengezogen. Kronblätter stumpf, goldgelb, am Rande oft mit roten Flecken und Streifen. Hieher wohldie meisten Standorte der Unterart in Deutschland.
3. subsp. montanum (Perr. et Song.) Hegi et Schmid (= S. anopetalum DC. f. montanum Rouy et Camus).Blütenstand feindrüsig. Aeste desselben nicht oder kaum zurückgebogen. Blüten oft 6=zählig. Kelchblätter (3) 4 bis6 mm lang, etwa halb so lang wie die Kronblätter, schmäler und spitzer als bei der subsp. reflexum. Krön»blätter 6 bis 9 mm lang, schmal, lebhaft gelb, i abstehend. Staubblätter auch am Grunde kahl. Früchtchenkahl oder nur zerstreut drüsig. — Bis jetzt einzig aus der Schweiz angegeben aus Graubünden, aus dem Berner»Oberland (Erlenbach), Berner Mittelland, Tessin, Wallis, Waadt, Neuenburg (hier Kulturrelikt). Die Pflanze wird öftersmit der subsp. reflexum verwechselt und dürfte wohl auch in Südtirol vorkommen. Allgemeine Verbreitun g:Alpen von Graubünden bis zu den Seealpen. — Auf diese Unterart beziehen sich wohl die blütenbiologischenAngaben von S t a e g e r, nach welchem Autor die Blüten proterandrisch sind und sich die 6 äusseren Staub»
') Benannt nach der Stadt Trier (= Trcvcn bezw. Augüsta Treverörum). Dr. Rosbach entdecketdie Pflanze 1856 bei Trier (vgl. hierüber Wirtgen, Th. Flora der Rheinprovinz [1857], pag. 185).