IX
sondern hätte sie durch neue Arzneigaben un-wirksam gemacht.
Der Heilprozess ist nicht so materiell aufzu-fassen, wie in der Regel geschieht. Die richtiggewählte Arznei giebt nur den Anstoss,die Naturheilkraft aber vollendet die Hei-lung. — Wenn man, um ein Beispiel anzuführen,den Pendel einer Uhr nur einmal berührt hat,so bleibt er in Bewegung, so lange das Werkaufgezogen ist; wollte ich aber wiederholt an-stossen, so würde der Pendel bald mit seinenSchwingungen in Unordnung geraten und still-stehen. — Wenn ich einen Apfelkern in die Erdelege, so wird er zur gehörigen Zeit keimen,spriessen, durch die Erdkruste brechen und lang-sam, aber nach und nach gewiss zu einem Stammewerden, wie die Ntüui es gewollt hat. Dauertees aber einem ungeduldigen Menschen zu lange,bis der Kern aufginge, und legte er alle 4 oder6 Tage einen neuen Kern auf den früheren, sowüide einer den anderen ersticken, das Keim-goschäft zerstört werden und statt des erwartetenApfelbaumes nichts hervorspriessen, weil die Naturin ihrer geheimen Werkstatt von kurzsichtigenMenschen gemeistert wurde.
Ebenso ist es mit chronischen Krank-heiten, die grösstenteils auf einer angeerbten,eingeimpften oder von aussen her em-pfangenen Anlage beruhen. Diese aus-zustossen bedarf die Naturheilkraft nur desAnstosses, dann vollendet sie nach und nachebenso sicher das Heilgeschäft, wie Erde undSonne das Keimen und Wachsen des Bäumchens