VII
EINLEITUNG.
i.
Das Studium der Arzneimittellehre an der Wienermedizinischen Schule im XV. Jahrhundert.
In den ältesten Statuten der Wiener medizinischen Fakultätvom 1. April 1389 ist der Lehrplan noch nicht so scharf vor-gezeichnet, wie es etwa heute bei Errichtung irgend einer neuenLehranstalt zu geschehen pflegt, sondern es blieb den zukünf-tigen Professoren ein gewisser Spielraum in der Auswahl der zuerklärenden Autoren und der Anordnung des Lehrstoffes offen. x )Das Wiener Universitätsstatut wurde bekanntlich nach demVorbild der hohen Schule zu Paris entworfen, von wo auch dieersten Professoren herkamen, doch diente in Wirklichkeit Paris,soweit die medizinische Fakultät in Betracht kommt, nur formellals Muster und wurde gleich anfangs durch den mächtigen Ein-fluß der benachbarten oberitalienischen Universitäten, vorzüglichder berühmten Schule von Padua derart in den Hintergrundgedrängt, daß unsere Fakultät, wie ich seinerzeit auseinander-setzte, 2 ) in wissenschaftlicher Beziehung eine Tochter Paduasgenannt werden muß. Das altehrwürdige Patavium, die
') Über die Statuten vergl. R. Kink. Geschichte der kaiserlichenUniversität zu Wien. 2 Bände, Wien 1854 ff p. 73 ff, 156 IT.
2 ) Vergl. meine Arbeit: Franz Emericli. Ein Reformator desmedizinischen Unterrichtes in Wien. In „Die Kultur" 1907. 1. Heft,p. 69 f.