Druckschrift 
Dispensatorium pro Pharmacopoeis Viennensibus in Austria : ex Mandato Sac. Caes. Mtatis a Collegio Medicorum Viennensium collectum et revisum
Entstehung
Seite
VIII
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

VIII

Einleitung.

Geburtsstätte des römischen Geschichtschreibers T. Livius, sandteuns einen seiner besten Söhne, den Arzt Galeazzo de Sta Sophia,welcher in Wien das Studium der Arzneimittelkunde durch Wortund Schrift mächtig förderte.

Die Sta Sophia waren ein ungefähr 1292, wie es heißtaus Konstantinopel nach Padua eingewandertes, reich begütertesGeschlecht, dessen Glieder sich durchwegs dem ärztlichen Be-rufe widmeten.

Galeazzo de Sta Sophia, der Sohn des Giovanni, Professorsder Medizin in Padua und Bologna, gestorben 1389, erlangteim Juni 1386 zu Padua das artistische Doktorat, lehrte 1388in Bologna Logik, wurde 1389 in Padua Lizentiat, im Jänner1390 Doktor der Medizin und 1392 Dekan der Fakultät. ImFrühjahr 1398 dürfte er nach Wien berufen worden sein undwird daselbst in den Fakultätsakten vom 6. Mai 1399 bis28. Oktober 1405 erwähnt. Nachweisbar seit 1407 lehrte erwieder in Padua, wo er im September 1427 mit seiner Gattinund seinen drei Söhnen Luigi, Alberto und Antonio am gleichenTage einer Pestseuche erlag.

Galeazzo war durch viele Jahre Leibarzt der HerzogeAlbrecht IV. und V. von Österreich und nach dem Berichteseines Schülers Savonarola in Padua ein hervorragender Lehrerund Antipode des Jacobus Foroliviensis.

Auch wir verehren in ihm den bedeutendsten Lehrer undältesten Schriftsteller der jungen Wiener Schule. Ohne auf seinesonstige umfangreiche literarische Tätigkeit hier einzugehen,muß hervorgehoben werden, daß Galeazzo in Wien Vorträgeüber Arzneimittellehre abhielt und sein großes Werk über dieeinfachen Arzneimittel (de simplicibus), zugleich die älteste, aufWiener Boden entstandene medico-botanische Arbeit uns in vierExemplaren handschriftlich erhalten blieb.')

') Vergl. meine Arbeit: Öffentliche Gesundheitspflege und Heil-kunde I. In: Geschichte der Stadt Wien, herausgegeben vom Alter-tumsvereine zu Wien 1904 II/2 p. 1055. Das Werk de simplicibus findetsich in folgenden Handschriften der k. u. k. Hofbibliothek in Wien:Cod. 5396, 183 Blatt; Cod. 5361, 155 Blatt vom Jahre 1510 aus derKartause Königsfeld in Mähren; Cod. 5156, 180 Blatt und Cod. 5400fol 36a bis 168a, im Jahre 1455 von dem Wiener Arzte Wolfgang-