2622
Die Pflanze wurde zunächst nur als Ziergewächs, sowie zu Heilzwecken verwendet. Die Botaniker des 16. Jahr»hunderts bezeichnen N. Tabacum als Sana Sancta Indorum (Pena, Lobelius, Gerard), Petum (Clusius), Tornabona(Caesalpinus), Herba sanctae Crucis foemina (Castor Durante), Nicotiana (Lonicer, Tabernaemontanus). Auchunter den amerikanischen Namen Tubac, Tabacum, Tabaco wird die Art erwähnt. Ebenso war die Stellung desGewächses im botanischen System nicht unbekannt; denn Gesner bezeichnet es als eine „species" desHyoscyamus.Dodonaeus nennt es Hyoscyamus Peruyianus. 1560 schickte der französische Gesandte am Hof zu Lissabon,Jean Nicot, Blätter und Samen des Tabaks nach Frankreich (vgl. pag. 2616 Anm. 1). Das Tabakrauchenkam um die Mitte des 16. Jahrhunderts zuerst in Spanien durch Seeleute auf. Die älteste Nachricht vom Tabakin Deutschland stammt von dem Augsburger Stadtphysikus Adolf Occo, der um 1565 aus Frankreich dieerste Tabakpflanze zu uns brachte. Der Nürnberger Arzt Bernhard Doldius schreibt zuerst 1601 über dasRauchen; er bezeichnet es als „Tabaktrinken". Um 1630 begann der Anbau von Tabak in der Pfalz, in Hessen,Franken und Sachsen, 1659 in Thüringen, 1660 im Elsass und in Baden, 1676 in Brandenburg, obwohl dasRauchen z. Tl. mit schweren Strafen verfolgt wurde. Papst Innozenz X. liess 1650 ein Edikt anschlagen, dem.zufolge jeder Tabakgenuss der Geistlichkeit im Chor, im Schiff, in den Kapellen und in der Säulenhalle derPeterskirche mit Exkommunikation bestraft wurde. Im Kanton Appenzell wurde seinerzeit überhaupt jeder Raucherbestraft; ebenso war es den Gastwirten verboten, Raucher in ihren Lokalen zu dulden. In Bern, wo ein eigenesTabakgericht bestand, wurde 1661 der Raucher an den Pranger gestellt, dann ins Gefängnis gesteckt und mitGeld bestraft. Stettin und Königsberg erliessen 1744 bezw. 1742 aus Angst vor Feuersbrünsten ein Ediktgegen das Rauchen. In Deutschland war das Rauchen auf den Strassen erst seit der Revolution von 1848erlaubt. In München war das Rauchen 1847 noch verboten 1. in den Strassen und auf den Plätzen um diekgl. Residenz, also Residenzstrasse (vom Postgebäude bis zum Eingang des Hofgartens), Hofgartenstrasse,Marstallplatz, Zeughausplatz, Max.JoseM'latz, 2. im Hofgarten und den dortigen Arkaden, 3. vor, währendund nach der Dultzeit an den Schau, und Kaufmannsbuden auf dem Dultplatz in der ganzen Ausdehnungzwischen den dort aufgestellten Warnungstafeln bis zur jedesmaligen gänzlichen Entfernung der Buden. Durchdie fremden Kriegsvölker (besonders durch englische Soldaten), die während des 30.jährigen Krieges Deutschlandüberschwemmten, wurde das Rauchen in weiteren Kreisen bekannt. In Tirol wurde bis zur Einführung desStaatsmonopoles im Jahre 1828 seit dem 16. Jahrhundert im Etschtale, in Ueberetsch, im Oberinntale, beiFrastanz in Vorarlberg, hauptsächlich aber im italienischen Süden Tabak im grossen angebaut. Doch wurdeder Anbau durch den Staat sehr frühzeitig eingeschränkt; einzig in den Jahren 1811 bis 1827, wo er ganzfreigegeben war, erreichte er eine grössere Ausdehnung. Erst in allerjüngster Zeil wurde in den südlichstenTeilen (Bezirk Rovereto) neuerdings der Versuch gemacht, den Tabakbau wieder zu beleben.
Die erste deutsche Pfeifenindustrie entstand 1628 in Köln, die Abgusspfeife erfand 1689 der öster.reichische Arzt Vikarius. Das Tabakschnupfen, das bekanntlich im 18. Jahrhundert hoffähig war, wurde beiuns gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch eingewanderte Hugenotten eingeführt. Die erste deutsche Zigarren»fabrik wurde 1788 in Hamburg gegründet. Sehr jungen Datums ist bei uns das Zigarettenrauchen; es kamerst 1840 über Russland nach Deutschland. Die erste deutsche Zigarettenfabrik war die des Russen Uppmannin Dresden. Viel geringere Bedeutung als die 3 unten genannten Arten haben einige in Asien und Amerikazur Tabakbereitung gebaute Arten, so N. repända Willd. in Zentral» und im südlichen Nordamerika,N. quadrivdlvis Pursh, N. Bigelövii Wats. in Nordamerika, N. P6rsica L. in Persien.
1. Krone mit kurzer Röhre. Blüten grünlichgelb N. rustica nr. 2447.
1*. Krone langröhrig. Blüten rosa bis rot 2.
2. Laubblätter eiförmig»lanzettlich, am Grunde geöhrt. Zipfel des Kronsaumes kurz zugespitzt . N. 1 a t i s s i m a nr. 2446.
2*. Laubblätter länglich.lanzettlich, untere verschmälert herablaufend. Zipfel des Kronsaumes langzugespitzt N. Tabacum nr. 2445.
2445. Nicotiana Tabacum 1 ) L. Virginischer Tabak. Franz.: Tabac (commun), t. deVirginie, t. de la Floride; engl.: American, virginian tobacco; ital.: Tabacco Virginia, t. diUngheria. Taf. 233, Fig. 3; Fig. 3431 bis 3433.
Einjährig. Stengel 0,75 bis 3 m hoch, krautig, einfach oder wenig verästelt, wie dieLaubblätter und Kelche drüsig behaart. Laubblätter wechselständig, ganzrandig; die unterenlänglich=elliptisch, herablaufend, die oberen länglich=lanzettlich, zugespitzt, sitzend oder etwas
l ) „Tobaco", Bezeichnung der als „Zigarren" benutzten Rollen aus Nicotiana.Blättern, sowie derPfeile zum Raudien in der Sprache der Indianer (Karaiben).