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Tabak in den letzten Jahrzehnten pro Kopf in Holland 2,80 kg, in den Vereinigten Staaten 2,75, in Belgien2,65, in der Schweiz 2,50, in Oesterreich 2,15, in Deutschland 1,80, in Dänemark 1,50, in Schweden undNorwegen 1,25, in Russland 0,95, in Frankreich 0,95, in Italien 0,70, in Spanien 0,55, in Rumänien0,20 Kilogramm.
Verwendung: lieber die Chemie und Toxikologie des Tabakes bezw. des Rauchens hat in neuesterZeit K.B.Lehmann mit seinen Mitarbeitern eingehende und sehr wertvolle Untersuchungen angestellt 1 ). Beider grossen Verbreitung des Rauchens mögen einige wichtige Ergebnisse, die von allgemeiner Bedeutung sind,aus diesen Untersuchungen genannt werden. Der Vorgang des Rauchens ist im chemischen Sinne als eine„trockene Destillation" zu bezeichnen. Beim Verrauchen einer 5 g schweren Zigarre entstehen etwa 10 1 Rauch.In diesem sind folgende Bestandteile nachzuweisen: Nikotin (vgl. pag. 2617), Pyridin (CsHsN), Ammoniak (NH3),Kohlenoxyd (CO), Methan (CH4), Kohlendioxyd (= „Kohlensäure") (CO2), Blausäure (HCN), Schwefelwasserstoff(HsS)j dazu kommen noch Stickstoff und Sauerstoff aus der Luft. Nimmt man den Nikotingehalt im Durch»schnitt mit 2°/o an (vgl. oben), so enthält eine 5 g schwere Zigarre 100 mg Nikotin. Von dieser Nikotinmengegehen durchschnittlich 95°/o in den Rauch bezw. in den Zigarrenstummel über. 50 mg Nikotin gelten alstödliche Dosis für einen Menschen. Durcheine sinnreiche Versuchsanordnung hat Lehmann festgestellt, dassbeim Verrauchen mittelstarker Tabaksorten etwa 10°/o (bei starken Tabaken 17 °/°) der Gesamt»Nikotinmengevom Raucher absorbiert werden. Bedeutend grösser sind jedoch diese Mengen, wenn der Rauch aspiriert(d. h. in die Lunge eingezogen wird wie beim sog. „Lungenrauchen"). Ferner haben die Untersuchungen ergeben,dass die „Schwere" einer Zigarre nicht immer ohne weiteres von ihrem Nikotingehalt abhängig ist und dassauch die sog. „nikotinfreien" Zigarren geringe Mengen Nikotin enthalten. Im allgemeinen liess sich jedochfeststellen, dass die sehr nikotinreichen Zigarren „stark", die sehr nikotinarmen „schwach" sind. Die toxischenWirkungen des Tabakrauches gehen in erster Linie aut das Nikotin zurück •, das Ammoniak übt jedenfallschronische Wirkungen auf die Schleimhäute von Mund und Rachen aus. In vielen Ländern sind die (nichtfermentierten) Blätter von Nicotiana Tabacum (Tabakblätter, Fölia Nicotiänae) offizinell. Sie werden jedochnur noch selten als innerliches Mittel bei Verstopfung (Klistier), Harnbeschwerden, Wassersucht gegeben; im Volkedienen sie auch als wurmabtreibendes Mitlei. Aeusserlich wird ihre Abkochung gegen Krätze und Räudegebraucht. Zum Bekämpfen schädlicher Insekten wie von Blattläusen, Erdflöhen usw. bei Pflanzen oder zumAbtöten von Zecken und Läusen bei Tieren (besonders bei Schafen) wendet man mit Erfolg eine Abkochungvon Tabakblättern an. Das Nikotin wird zur Vertilgung von Raiten benützt. In den Samen sind 30 bis 40°/oOel enthalten, das technisch verwertet wird. Die zurückbleibenden Presskuchen sind nikotinfrei und lassen sichdeshalb verfüttern.
Zahlreich sind die Ersatzstoffe, die namentlich in den Kriegsjahren in Aufschwung kamen, jedochauch noch heute zur Streckung von Tabak dienen. In Betracht kommen besonders Blätter von der Kirsche,Weichsel, Schlehe, von Huflattich, Weiden, Myrica Gale, Nussbaum, Rot» und Weissbuche, Birken, Haselnuss,Eichen, Ulmen, Hopfen, Hanf, Brennessel (die Blätter werden pulverisiert dem Schnupftabak beigemengt),Runkelrübe, Rhabarber, Rosskastanie, Linden, Eibisch, Kornelkirsche, Beinwell, Lavendel, Gundermann, Dost,Braunellen, Salvia»Arten, Thymian, Betonte, Pfefferminze, Wegerich, Waldmeister, Holunder, Schneeball,Sonnenblume, Schafgarbe, Arnica, Cichorie, Artemisien, Kletten, Senecio vulgaris, Ulex Europaeus, Goldregen,Doronicum=Arten, Speik, Alpenveilchen (die drei letzten in den österreichischen Alpenländern), dann dieBlüten vom Maiglöckchen (im Schneeberger Schnupftabak sollen sie das Niesen hervorbringen), von Rosen,Klatschmohn, Steinklee, die unterirdischen Stöcke der Florentiner Schwertlilie („Veilchenwurzel"), vomBaldrian usw. Knaben machen ihre ersten Rauchversuche öfters mit den Stengeln der Waldrebe. InNordamerika werden geraucht die Blätter von Rhus glabra, Kalmia latifolia, Arctostaphylos Uva ursi undA. glauca, Vaccinium stamineum L., Chimaphila umbellata, Eriodictyon Californicum, Eupatorium Berlandieri,Elaeagnus» und Cornus»Arten, ebenso die Rinde von Salix», Pinus« und Viburnum»Arten, von CarpinusCaroliniana usw. (Hegi).
Geschichte. Das Rauchen des Tabaks war bei den Indianern Amerikas offenbar schon weitverbreitet, als Kolumbus Amerika entdeckte. Amerikanische Gräberfunde von Tabakpfeifen beweisen, dassdas Tabakrauchen dort sehr alt ist. Die etwas narkotische Wirkung des Tabakrauchens, seine Fähigkeit, dasHungergefühl z. Tl. zu verdecken werden wohl das Aufkommen der Sitte begünstigt haben. Auch bei religiösenHandlungen mag der Tabakrauch eine gewisse Rolle gespielt haben. Schon 1497 bringt Romano Pano inseinem Bericht über die 2. Expedition des Kolumbus Nachrichten über den Gebrauch des Tabaks in Amerika.Nach Europa wurden Samen des Tabaks zuerst von Gonzalo Hernandez di Oviedo im Jahre 1519 gebracht.
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Lehmann, K.B. Chemische und toxikologische Studien über Tabak, Tabakraudi und das Tabak,rauchen (Archiv für Hygiene 68, pag. 319 bis 420).
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