2554
kommt die endemische Gattung Melissda mit M. begonifölia Hook. vor. In Europa und Asien sind alswirklich einheimisch nur Gattungen aus der Tribus der Solaneae vertreten.
Fossile Funde von Solanaceen sind sehr dürftig und unsicher. Aus den Gipsen von Aix wurde eineGattung Solanites Sap. beschrieben, die jedoch unsicher ist. In neuerer Zeit (1916) hat Breey eineSolanites Saportdna aus dem Eocaen von Missouri aufgestellt. Ob es sich hier wirklich um eine Solanaceehandelt, ist schwer zu entscheiden (Gothan 1921, briefl.).
Wirtschaftlich haben verschiedene Arten als Nährpflanzen, Gemüse, Gewürze, Genussmittel, als Zier,pflanzen, sowie als Heilmittel oder Gifte grosse Bedeutung.
Von Zierpflanzen (in Gärten, Gewächshäusern) wären, soweit sie nicht zu in Mitteleuropa ver.tretenen Gattungen gehören, zu nennen: Iochröma 1 ) tubulösum Benth. (westlicher Teil des tropischen
Südamerika) mit kornblumenblauen Blüten. InGewächshäusern kultiviert. — Sarächa 2 ) vis»cösa Schrad. (Südamerika). Halbstrauch mitockerweisser Blüte und roten Beeren. — S.jaltomdta Schlechtend. (Mexiko), wurde adven»tiv bei Mannheim (1910) und bei Strassburg i. E.(aus dem Botanischen Garten verschleppt) be-obachtet.— Castrum 3 ) Parqui L'H6r. (Chile),strauchartig, mit weisslichgelben, abends angenehm(beim Reiben wie frischer Kalbsbraten) duftendenBlüten (z. B. häufig angepflanzt in Südspanien).In der Pflanze (besonders in den Blättern) ist dasAlkaloid Parquin (C2iHs9NOs) enthalten. DieBlätter werden bei hitzigen Fiebern angewendet.— C. noctürnum L. (Südamerika), nachts auf«blühend. — C. dlegans Schlechtend. (= Habro.thämnus elegans Scheidw. [Fig. 3385]). 1 bis 2 mhoher Strauch mit purpurroten Doldentrauben ausden Gebirgen von Mexiko. Adventiv bei derDöhrener Wollwäscherei bei Hannover (zwischen1889 und 1895). — C. aurantiacum Lindl.,aus Guatemala (Fig. 3387). Blüten oft gepaart,orangefarbig. — Petunia') nyctaginiflöra(= P. axilläres [Lam.] Britton) aus Südamerika,mit grosser, weisser, aussen wolliger, Nicotiana»ähnlicher Blumenkrone. Verwildert z. B. München»Sendling (1889), Puchheim bei München (1912). —P. violäcea Lindl. (= P. integrifölia [Hook.]Schinz et Thellung) mit violetter Blumenkrone.Bei Spiez am Thtinersee verwildert. Von derseit etwa 1830 in Europa eingeführten GattungPetunia werden verschiedene Bastarde (P. hybridahört.) in unseren Gärten als willige Blüher (auchals Balkonpflanzen) gezogen (Fig. 3386). In Tirolheissen sie „ Früh messerin ", in Groeden furmeshere.Vgl. auch Fries, Rob. E., Die Arten der Gattung Petunia. In: Kungl. Svenska Vetensk. Akad. Handl. XLVI,Nr. 5. Stockholm 1911. — Salpiglössis 8 ) sinuäta Ruiz et Pavon (Fig. 3388 und 3381 F). Pflanze drüsigbehaart. Untere Laubblätter gestielt, gebuchtet, elliptisch«länglich, obere sitzend, lineal ■ lanzettlich. AuchFormen mit buchtig»gezähnten und fiederspaltigen Laubblätter werden gezogen. Blüten verschiedenfarbig z. B.
Fig. 3388. Schizanthus pinnatus Ruiz et Pavon. a BlühenderSpross. b Blüte, c Reife Frucht vom Kelch eingeschlossen. — Salpi-glössis sinuata Ruiz et Pavon. e Blühender Spross.
®) Von griech. Xov [ion] = Veilchen und /Qdofia [chröma] = Farbe; nach der Blütenfarbe.
2 ) Nach dem spanischen Benediktinermönch und Botaniker Isidor Saracha benannt (Wittstein).*) Griech. xe otqov [k^stron] bei Dioskurides (Mat. med. IV, 1) = Name einer Labiate (Stachysofficinalis oder St. Alopecurus); das Wort bedeutet auch „spitziges Eisen, Griffel (I orm der Staubgefässe?).
4 ) „petun" brasilianischer Name des Tabaks; wegen der dem Tabak ähnlichen Blätter und Blüten.
5 ) Griech. milniyi [sälpinx] = Trompete und yXajaaa [glössa] = Zunge; wegen des röhrigen, einerZunge ähnlichen Griffels.