2262
(z. B. Lophanthus) oder durch Ueberhängen des Biütenstandes (Salvia nutans). — Die Labiaten des 2. und3. Typus gehören mit vielen Orchideen und Leguminosen zu den am vollkommensten an Insektenbesläubungangepassten Pflanzen. Während beim ersten Typus die Besucher vielfach durch grosse Anhäufung der meistkleinen Blüten und starken Geruch angelockt werden, können die höchst entwickelten Stadiydeen und Salvieenhierauf verzichten, doch kommen auch bei vielen unter ihnen extraflorale Schauapparate (lebhaft gefärbteBracteen) vor. Proterandrie, oft verbunden mit Gynodioezie, ist durchaus die Regel; doch ist auch Homogamieund fakultative Autogamie nicht selten. Kleistogamie ist z. B. von Arten von Ajuga, Lamium und Salvia,Amphikarpie von Lycopus Virginicus bekannt. — Nach der Bestäubung fällt die Krone meist ab, seltener(z. B. bei Ajuga) bleibt sie erhalten. Oft vergrössert sich der Kelch (besonders auffallend bei Arten vonStachys, Prasium und Ocimum). Bei letzterer Gattung und bei Glechoma schlägt er sich durch Krümmung desFruchtstiels herab. Die Bildung des Embryos weist in den meisten (z.B. von Guignard und Schnarfuntersachten) Fällen kleine Besonderheiten auf. Die Radicula ist stets aufwärts (nur bei Scutellaria undCatopheria abwärts) gerichtet. Endosperm und Nucellargewebe werden meist frühzeitig resorbiert. Auch dieSamenschale ist meist sehr schwach oder unvollkommen ausgebildet, da ihre Funktion von der stets geschlossenbleibenden Fruchtwand übernommen wird. Diese besteht aus 4 Schichten: einem meist schwach entwickelten,nur selten grosszelligen und etwas Chlorophyll führenden (Lamium, Galeopsis) Endokarp,einer die innerste Mesokarpschicht darstellenden Steinschicht (Sklerokarp), deren Zellen oftKristalle führen, einem dünnwandigen, aus 3 bis 10, von Leitbündeln durchzogenen Zelllagenbestehenden Mesokarp, dessen äusserste Schicht zuweilen (Prunella vulgaris) Chlorophyll führtund schliesslich einem sehr verschieden ausgebildeten Exokarp. Meist sind dessen Zellenpalisadenartig ausgebildet. Zuweilen ragen sie papillenförmig vor (Teucrium, Satureja Hör«tensis, Lycopus, Scutellaria). Die Nüsschen sind entweder kugelig bis eiförmig oder ± deutlichtetraedrisch. Die verschiedene Ausbildung hängt namentlich auch mit der verschiedenenVerbreitungsweise zusammen. Als Verbreitungseinheiten wirken entweder einzelne Nüsschen(z. B. Stachys, Lamium, Salvia), bald mehrere, durch Teile der Blütenachse (Pseudostrophiole)verbundene (Ajuga), bald einzelne Fruchtkelche (z. B. Thymus, Satureja Acinos, Galeopsis),bald zusammenhängende Fruchtkelche (z. B. Marrubium vulgare) oder ganze Fruchtstände.Schwimmfähig, d. h. an die Verbreitung durch fliessendes Wasser (Hydrodiorie), aber auch durchWassertiere angepasst sind die Nüsschen von Mentha., Lycopus- und Scutellaria.Arten. Wind.Verbreitung (Anemochorie) ist viel verbreiteter. Behaarte Nüsschen haben z. B. Arten vonLeonurus, Phlomis, Scutellaria u. a., eigentliche Flügel, und Pappusbildungen kommen beitropischen Labiaten vor. Die anemochoren Arten haben oft verholzende, im Winter langerhalten bleibende Stengel (Winterständer, z. B. Arten von Teucrium, Lavandula, Hyssopus,Thymus, Origanum, Satureja u. a.) und die Ausstreuung der Nüsschen erfolgt sehr langsam(Bradysporie). Als Arretierung wirken oft ein Haarbesatz des Keldischlunds (Karpostegium)oder die eingerollten Kelchzähne. Andrerseits bestehen sowohl bei Anemochoren wie auchbei Zoochoren mannigfache ballistische Einrichtungen: elastische Fruchtstands, und Fruchtstiele, nickende, amGrund ausgesackte Fruchtkelche usw. — Unter den Zoochoren sind 5 Gruppen zu unterscheiden. Zu den Artenmit endozoischer Verbreitung gehört vielleicht ein grosser Teil derjenigen mit verschleimendem Exokarp, wennauch die Endozoochorie bisher nur für wenige Arten (z. B. Prunella vulgaris) mit Sicherheit nachgewiesenworden ist. Nach Sv. Murbeck (Beiträge zur Biologie der Wüstenpflanzen I, Lunds Univ. Ärsskrift Bd. XV nr. 10,vgl. auch Schenk in Botan. Zeitung 1877, pag. 412) hat die Hälfte aller nordafrikanischen Labiaten verschlei.mende Nüsschen, dagegen nur 1 /s der skandinavischen. Besonders stark und längst bekannt ist die Ver.schleimung bei Salvia und den Ocimoideen; doch kommt sie auch z. B. bei Arten von Lavandula, Rosmarinus,Elssholtzia, Mentha, Thymus, Satureja, Melissa, Hyssopus, Nepeta, Gledioma, Dracocephalum, Prunella u. a.vor, dagegen nicht bei der grossen Mehrzahl der Stachydeen und Ajugoideen. Meist handelt es sich umrunde, ringsum verschleimende Nüsschen, bei Prunella z. B. findet jedoch nur auf 4 Längskanten Verschleimungstatt. Den extremsten Fall stellen die Prasioideen dar, bei denen das Exokarp fleischig wird. Einen fleischigenFruchtkelch hat die Ocimoidee Hoslundia. Murbeck sieht in der Verschleimung weniger eine Anpassungan endozoische oder auch epizoische Verbreitung als vielmehr die Schaffung eines günstigen Keimbetts. Damitstehen jedoch andere Beobachtungen im Widerspruch, nach denen die Keimung durch den Schleim erschwert,durch dessen Entfernung jedoch, wie sie z. B. durch eine Darmpassage erfolgt, befördert wird. — Epizoischwerden sowohl klebrige Nüsschen (z. B. von Salvia) wie besonders auch behaarte Nüsschen und Fruchtkelcheund Kelche mit verdornten Zähnen (Galeopsis, Marrubium, Ballota, Stachys u. ä.) verbreitet. Bei manchenwohl epizoisch verbreiteten Arten tritt an Stelle der Bradysporie Tachysporie, d. h. beschleunigte Samenreifung,so z. B. bei Stachys arvensis und Salvia Verbenaca. Ihren höchsten Grad erreicht diese jedoch nach Sernanderbei den Synzoen, von denen bisher nur Myrmekochore bekannt geworden sind (Ajuga, Rosmarinus, Lamium).
Fig. 3181. Keim-pf.anze von Hys-sopus ofiici-nalis L.