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Ueber Pelorien bei den Labiaten. Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. Wien 1870/72. Der Versuch dieses Autors,auch die Blütenblätter als ursprünglich dekussiert, die Blüten somit als tetramer hinzustellen, ist gescheitert 5es sprechen vielmehr zahlreiche, namentlich auch phylogenetische Gründe dafür, dass ursprünglich nicht nurKelch und Krone, sondern auch das Androeceum 5=gliederig war. — Der Kelch besteht aus 5 in absteigenderReihenfolge entstehenden, jedoch meist schon in der Knospenlage nicht völlig zusammenschliessenden (seltener,z.B. bei Rosmarinus und Physostegia, sich absteigend deckenden), zu einer kurzen oder langen Röhre verwachsenenBlättern. Meist sind alle 5 in Form gleicher oder auf 2 Lippen verteilter Zähne deutlich erkennbar. Es könnenjedoch auch einzelne oder alle zu ungeteilten Lippen verschmelzen (z. B. bei Salvia, Scutellaria), und dieUnterlippe kann ganz verkümmern (Majorana). Bei Preslia sind überhaupt nur 4 Kelchblätter vorhanden.Eine Vermehrung der Kelchzähne auf 10 oder 13 tritt ausschliesslich bei Arten mit verdornenden Kelchzähnen(Marrubium, Ballota, Molucella, Leucas) durch Bildung von Kommissuralzähnen ein. Durch besonders grosse Kelchezeichnen sich Molucella« und Eremostachys« Arten aus. An der Bildung einer Oberlippe nehmen meist 3 Kelchblätter
teil, seltener nur 1 (viele Ocimoideen, Dra»cocephalum, Teucrium). In der Regel ver.läuft in jeden der 5 Zähne 1 Hauptnerv, injede der Buchten 1 Sekundärnerv. Die 3unteren Sekundärnerven gabeln sich zu«weilen schon unter der Kelchmitte (Thymus,Arten von Mentha und Satureja), wodurch13=nervige Kelche entstehen. Bei Hyssopus,Dracocephalum, Nepeta, Glechoma usw.besitzt jedes der 5 Kelchblätter 3 kräftigeNerven. Zwischen den Kelchnerven tretenoft Anastomosen auf (z. B. Melissa, Ocimumu. a ). Die Form und Behaarung derKelche variiert sehr stark. Oft steht sieim Zusammenhang mit der Ausstreuungder Nüsschen (Aussackungen bei Teucriumund Satureja Acinos, Schildchen von Scu«tellaria, Behaarung des Kelchschlunds beivielen Saturejeae usw.). — Die Kronblätteralternieren regelmässig mit den Kelch«blättern. Ihre stets nachweisbare Fünfzahlwird einerseits durch mannigfache Ver«wachsungen, insbesondere durch dashäufige Zustandekommen einer ganz«randigen Oberlippe, andererseits durch dieLappung oderZähnelung (Pleuridienbildung,besonders auffallend bei Nepeta, Stachys, Lamium, Salvia usw.) einzelner Kronblätter oft verdeckt. Die frühzeitigeVerwachsung der Oberlippe steht nach Goebel mit dem Schwund des oberen Staubblattes in Zusammenhang.Die bald gerade, bald aufwärts oder (besonders auffallend bei Coleus) abwärts gekrümmte Kronröhre trägtnahe dem Grunde oft einen als Saftdecke (Nectarostegium) gedeuteten Haarkranz. Ein eigentlicher Honigspornist bei Plectranthus»Arten ausgebildet. Auch die Krone weist meist 5 Hauptnerven auf, deren Verzweigungenund (besonders zwischen Ober« und Unterlippe oft sehr starken) Verbindungen gleichfalls für die Systematikverwertbar sind, wie dies Briquet für Galeopsis und Salvia nachgewiesen hat. Die Knospenlage ist stetsabsteigend. Die Ausbildung einer Oberlippe (Labrum) und einer Unterlippe (Labiolum) erfolgt in sehr ver«schieden hohem Grad und auch sonst auf verschiedene Weise j meist bilden 2 Kronblätter die Ober« und 3 dieUnterlippe (Lippenbildung nach 2 /a), seltener (z. B. meiste Ocimoideen) 4 die Oberlippe und 1 die Unterlippe (*/i)oder alle 5 die Unterlippe (Teucrium). Ueber die Blütenfarbstoffe der Labiaten scheinen noch keine näherenUntersuchungen vorzuliegen. Oft sind neben roten oder blauen Anthozyanen auch noch gelbe Pigmentevorhanden. Bei den meisten blau« und violettblütigen Arten kommen Individuen mit trübroter Färbung oder,bei vollständigem Anthozyanmangel, der sich stets auch auf die vegetativen Teile erstredet, weiss oder gelblich»weiss blühende Individuen vor, letzteres auch bei normal rot blühenden Arten. Systematisch sind solcheFormen bedeutungslos. — Der Diskus ist bald regelmässig rundlich oder mit 4 mit den Klausen alternierenden(nur bei Lavandula vor diesen stehenden) Lappen versehen, bald auf der Vorderseite in ein längeres Nektariumausgezogen. Bei Scutellaria bildet er ausserdem einen säulenförmigen Gynophor. Extranuptiale Nektarienfehlen. — Ueber die Entwicklung der Blüten vgl. W. Lang in Bibliotheca botanica. Bd. LXIV, 1906, über die
Fig. 3180. Teucrium Charaaedrys L. N = Normale Bluten. P = Pelorie. Orig.